Wer glaubt, nur einige abgedrehte Freaks aus unteren Spielklassen würden zu Zügen wie 1.Sh3! greifen, der irrt. Selbst olle Tartakower, seines Zeichens sehr kreativ, absolute Weltklasse und auch noch mit Schachverständnis gesegnet, hat mehrfach auf diese Eröffnung zurückgegriffen.
Einmal fiel ihm dabei sogar der damals wie heute überdurchschnittlich starke Andor Lilienthal zum Opfer.

Tartakower – Lilienthal
Paris, 1933

1.Sh3 d5 2.g3 e5 3.f4 (D) Während die Amar-Eröffnung – siehe die Welling-Partie in “Springer am Rande (1)” – eher zu Holländischstrukturen führt und soliden Charakter trägt, ist das hier von Tartakower utilisierte Amar-Gambit (oder auch Pariser-Gambit) ein schön dynamisches Bauernopfer. 3…Lxh3 3…e4 4.Lg2 Lf5 5.d3 gefiel Tartakower aus Sicht von Weiß ganz gut 4.Lxh3 exf4 5.0-0 fxg3 6.hxg3 Sf6 Im Kaissiber Nr. 5/1998 wird auf folgende Analysen von Tartakower (ja, richtig gelesen: Analysen! Der Mann hat sich mit der Materie auseinandergesetzt und es somit nicht von vornherein als bizarr verworfen) hingewiesen: 6…Ld6 7.e4 Lxg3? (7…Dg5 8.Df3! Dxg3+ 9.Dxg3 Lxg3 10.Lc8 mit gefühltem Stellungsvorteil für Weiß laut S.T.) 8.Df3+-; 6…Dg5 7.Tf3 Ld6 8.d3 Computer mögen die weiße Stellung hier nicht besonders, mir erscheint die Kompensation für den Bauern aber doch recht fair! 7.d3 Sc6 8.Sc3 Ld6 8…d4 sieht strenger aus und ist es auch. Selbst mir als Optimist und Befürworter dieser Eröffnung ist dann nicht klar, wofür Weiß den Bauern eigentlich gegeben hat. Nur, was hat abschließende Klarheit schon in einem Gambit zu suchen? 9.Lg5 Lxg3 10.Lxf6 gxf6 11.e4 Tg8 12.Sxd5! Juchheissa! 12…Le5+ Wohl dem, der eine Drohung hat! Und Schwarz ist an dieser Stelle bar ernster Drohungen. 13.Kh1 Dd6 14.c3 Man sehe, wie sich nach 1.Sh3! fast zwangsläufig eine weiße Zentrumsüberlegenheit rausbildet. 14…Tg3 15.Dh5 Txd3 Auch plumpes Zertrümmern hilft da nicht mehr viel. 16.Tad1 Txd1 17.Txd1 Se7 18.Se3 Dc5? 18…Dc6 19.Ld7+ Dxd7 20.Txd7 Kxd7 21.Dxf7+- läßt Schwarz nur mit mehr Muße sterben 19.Dxh7 1-0

CH

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