Meditation

Manchmal setze ich mich abends vor mein Shogi-Brett und spiele aktuelle und sparsam kommentierte Shogi-Partien nach. Es bekommt schnell einen eher meditativen Charakter, wenn man ohne jedes tiefere Verständnis die Züge zweier Dan-Spieler verfolgt. Oft sitze ich vor der Schluss-Stellung und grübele darüber nach, warum die Partie gerade aufgegeben wurde. So auch hier:

shogi7.jpg

Miura gegen Tamura. Tamura (Gote) am Zug gibt auf – mit Turm und Gold auf der Hand. Konnte er nicht einfach 30…+B‑3c spielen? Wie setzt Sente dann matt? Ich habe es nicht selbst herausbekommen. Wer Lust hat, kann ja versuchen es besser zu machen.

2 Kommentare

  1. Gute Frage. So richtig ins Auge springt das Matt wirklich nicht. Als Erstes habe ich mich gefragt, warum Gote nicht sofort auf der rechten Seite „dichtmacht“, z. B. durch L*3a. Aber genau darin könnte das eigentliche Problem bestehen. Die rechte Seite ist „dicht“, der König kann schon mal nicht rechts entkommen, eben weil der beförderte Läufer auf 2b residiert. Dein Vorschlag, Gotes bef. Läufer nach 3c zu ziehen, wirkt daher durchdacht. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob sich Sente darauf einlassen wird. Käme es nämlich zum Läufertausch, könnte Gotes König womöglich entkommen.

    Auch wenn ich das Beispiel nicht haarklein durchanalysiert habe, fällt noch eine Sache auf: Der Silber auf 5a lässt sich sehr leicht angreifen, z. B. durch Bauerndrop p*5b. Abgesehen davon ist Sentes Castle recht stabil. Gote hat also noch nicht mal die Möglichkeit zu einem direkten Gegenschlag auszuholen, sondern verfällt mehr und mehr in die Rolle des Gejagten. Das sind jetzt aber alles nur Beobachtungen und vage Vermutungen. Ich sollte mal meinen Rechner fragen, was der so alles knallhart durchkalkuliert hat. Aber zumindest sollte klar sein, das Gotes Situation alles andere als vielversprechend ist. 

    Was würde also nach +B3c folgen:

    Sx4b+
    Sx4b
    S*5b
    Kx5b
    P*5c
    Sx5c
    Nx5c+
    K4a
    G*3a
    K5a
    G4a
    Kx4a
    S*5b (mir ist nicht ganz klar, warum der drop nicht bereits anstelle von G4a erfolgt. Ist doch eigentlich überflüssig).

    Irgendwie gespenstisch, was ein Rechner so alles herausfindet. Hätte ich nicht gedacht. Da lag ich ja mit meinen Vermutungen ziemlich daneben. Sx4b und dann Silberdrop 5b hatte ich nicht auf der Rechnung. Ãœbrigens, neben +B3c führt Spear noch die folgenden Alternativen auf: S3a, G*3b und G*3a. Da ist der weitere Verlauf natürlich wiederum völlig anders als oben beschrieben und in einer der vielzähligen Verzweigungen taucht dann tatsächlich auch irgendwo der drop p*5b (je nach Variante, mal als Angriffsdrop von Sente oder als Verteidigungsmaßnahme von Gote) auf. Aber was immer Gote auch spielt, am Ende legt die Engine genau eine Entscheidung nahe: RESIGN

  2. Yamajunn war sehr nett und beantwortete meine Frage. Ich gebe mal seine Varianten:

    31.Sx4b

    (1) 31…Kx4b 32.S*5c K‑4a 33.G*3a matt 

    (2) 31…Sx4b 32.S*5b Kx5b 33.P*5c Sx5c 34.Nx5c+ Kx5c 35.G*6c K‑4b 36.S*5c matt

    (3) 31…+Bx4b 32.N‑5c= +Bx5c 33.G*3b K‑5b 34.S*4a matt

    Ich finde dieses Rauslocken und Zurücktreiben des Königs durch Drops schwer zu sehen.

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