Schachblätter

Kontrollverlust

Im direk­ten Duell am Brett in der letz­ten Run­de zwi­schen Tho­mas Hen­richs und unse­rem ehe­ma­li­gen Mit­glied Dr. Tho­mas Schunk (Elber­fel­der Schach­ge­sell­schaft 1851) ver­lor unser Ver­eins­mit­glied und Spit­zen­spie­ler Hen­richs nach bereits vor­an­ge­gan­gen ver­ba­len Atta­cken die Kon­trol­le über sich selbst und ohr­feig­te SF Schunk hef­tig. Nach­dem die umste­hen­den Han­sea­ten und Gäs­te die Situa­ti­on zunächst zu dees­ka­lie­ren ver­moch­ten, kam es kur­ze Zeit spä­ter zu einem erneu­ten Auf­ein­an­der­tref­fen der bei­den Schach­freun­de anläss­lich der Sie­ger­eh­rung. Ein erneu­ter Wort­wech­sel, des­sen genaue Moti­va­ti­on, Inten­ti­on und Ver­lauf sich letzt­lich nicht mehr auf­klä­ren lässt, gip­fel­te dar­in, dass Tho­mas Hen­richs unse­ren lie­ben Gast Dr. Tho­mas Schunk anspuck­te und dabei sei­ne Bril­le besudelte.

Das Weih­nachts­blitz­tur­nier bei Han­sa Dort­mund war lei­der nicht beson­ders gelun­gen. Der Ver­ein macht eine beherz­te Öffentlichkeitsarbeit.

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16 Kommentare

  1. Ich wür­de den Betei­lig­ten eini­ge Run­den ‚Schach­bo­xen‘ empfehlen…Oder wird Schach doch noch eine „Sport“-Art?! incl. der übli­chen Ausschreitungen?

  2. Wer glaubt, es wür­de sich hier­bei um klas­sen­tie­fe Spie­ler han­deln, irrt! Hen­richs ist IM(!) und Dr. Schunk hät­te wohl auch beim GSV einen Stamm­platz in der ersten…

    Gut, dass Han­sa da nichts beschönigt.

    Gruß, SHL

  3. Ah – nur spiel­star­ke Spie­ler haben die Lizenz zum Prügeln??

  4. Dan­ke­schön; habe herz­lich lachen müs­sen. Es ist erfreu­lich, daß es beim Schach mit­un­ter star­ke Emo­tio­nen gibt. Lei­der sind nicht alle posi­ti­ver Natur. Sicher­heits­hal­ber spie­le ich nur via Internet. :-)

  5. Oh Mann, was es nicht alles gibt. Ein Urteil dar­über steht mir ja nicht zu, da ja kei­ne Hin­ter­grund­in­fos zu erfah­ren sind. Ich hof­fe aber, so etwas nie live erle­ben zu müs­sen. Mich ärgert es ja schon, wenn jemand, der gegen mich ver­liert, mir nur wider­wil­lig (oder gar nicht) die Hand reicht, sei­ne Figu­ren aufs Brett wirft und wort­los ver­schwin­det – als wenn ande­re Schuld sind, wenn man schlechte(re) Züge macht (als der Gegner).
    Mei­ne Ach­tung gilt den Ver­ant­wor­li­chen bei Han­sa Dort­mund, die das nicht still­schwei­gend unter den Tep­pich keh­ren, son­dern sich in aller Öffentlichkeit für den Aus­ras­ter eines Mit­glieds ent­schul­di­gen und auch vor Sank­tio­nen gegen einen IM nicht zurückschrecken.

    Um die der­zei­ti­ge Doping­dis­kus­si­on auch hier hin­ein­zu­tra­gen – viel­leicht hät­te man bei­de Spie­ler auf ver­bo­te­ne Auf­putsch­mit­tel tes­ten sollen.… ;-)

  6. Prü­gel­er­laub­nis dank IM-Bonus – Täter wird geschützt

    „Gut, dass Han­sa da nichts beschönigt.“

    Die­se Ver­mu­tung ist lei­der falsch. Als Anwe­sen­der kann ich sagen, dass alles noch viel schlim­mer war, das Aus­maß der Bru­ta­li­tät war scho­ckie­rend. Der Arti­kel auf der Home­page von Han­sa Dort­mund ist sehr schmei­chel­haft für Hen­richs ver­fasst, der sturz­be­trun­ken der allei­ni­ge Agres­sor und Pro­vo­ka­teur war, und lässt für den ahnungs­lo­sen Leser eine gewis­se Mit­schuld Schunks ver­mu­ten, die es nicht gab. Auch eine Rei­he von Ver­eins­kol­le­gen, die sich mit dem Täter (nicht etwa mit dem Opfer) Hen­richs soli­da­risch erklär­ten, sich freu­ten, und Schunk sogar noch wei­ter belei­dig­ten, wer­den nicht erwähnt. Die Stra­fe, die Hen­richs von sei­nem Ver­ein zu erwar­ten hat, ist ein schlech­ter Witz und hat ledig­lich sym­bo­li­schen Cha­rak­ter. Die Ver­ant­wort­li­chen des Ver­eins sehen sich wohl eher zäh­ne­knir­schend gezwun­gen, sich zu die­ser Pein­lich­keit zu äußern, man fürch­tet um den ange­kratz­ten Ruf. Da ist eine gute Por­ti­on Heu­che­lei dabei. Ohne den Bonus des bes­ten Spie­lers wäre ein Ande­rer bei ver­gleich­ba­rem Ver­hal­ten sicher­lich direkt aus dem Ver­ein gewor­fen wor­den. Wie wur­de bis­her mit prü­geln­den Schach­spie­lern umge­gan­gen? Gibt es dazu Präzedenzfälle?

  7. Ich weiß nicht, ob es Prä­zen­denz­fäl­le gibt. Gene­rell wäre ich aber immer geneigt, bei einer Ent­schei­dung über eine Sank­ti­on das Ver­hal­ten des Betref­fen­den danach zu berück­sich­ti­gen. Hat er sich ent­schul­digt? Wur­de die Ent­schul­di­gung angenommen?

    Ansons­ten ist der Scha­den kaum abzu­schät­zen, gera­de wenn man bedenkt, dass es ja auch Eltern gibt, die ihre Kin­der zum Schach schi­cken und sicher ande­re (fal­sche?) Erwar­tun­gen an den Umgangs­ton in einem Schach­ver­ein haben.

  8. bereits am 22.12.08 gab es dazu einen Bericht von Dr. Tho­mas Schunk auf der Sei­te der Elber­fel­der SG

  9. Eine Fra­ge die sich dem Außen­ste­hen­den auf­drängt: Was war für die Aus­wahl gera­de die­ses Opfers maß­geb­lich? Das soll bzw. muß kei­nes­wegs bedeu­ten, daß irgend etwas sol­che Ent­glei­sun­gen ganz oder teil­wei­se recht­fer­tigt! Aber etwai­ger Alko­hol­ein­fluß erklärt das m.E. nicht voll­stän­dig, sodaß man unwill­kür­lich eine „Vor­ge­schich­te“ in Betracht zieht. Das könn­te alles mög­li­che gewe­sen sein. Oder es könn­te tat­säch­lich aus hei­te­rem Him­mel gekom­men sein, obgleich dies unwahr­schein­lich klingt.

    Der Ver­ein Han­sa Dort­mund soll­te sei­ne „inter­nen Sank­tio­nen“ öffent­lich klar dar­stel­len. Ein hal­ber Satz mit einer inter­pre­ta­ti­ons­be­dürf­ti­gen Andeu­tung ist hier zu wenig für eine orden­ti­che Infor­ma­ti­on an die Öffentlichkeit. So etwas soll­te man ent­we­der genau sagen oder gar nicht.

    Den Berich­ten zufol­ge hat­ten von zahl­rei­chen anwe­sen­den Schach­spie­lern nur weni­ge, und erst spät, die Cojo­nes ein­zu­grei­fen und „halb­wegs“ irgend­et­was zu unter­neh­men. War­um über­rascht mich das nicht? :-)

  10. @Augenzeuge: Also wenn ich die Berich­te von Han­sa und Elber­feld neben­ein­an­der­le­ge, habe ich wei­ter­hin nicht das Gefühl, dass etwas beschö­nigt wird. Dass der Mensch von Han­sa etwas nüch­ter­ner for­mu­liert, ist schon klar.

    @PermanentBrain: Wer mal kleins­ter in einer Schul­klas­se war, der weiß, wie die Opfer­aus­wahl funk­tio­niert: Es ist z.B. oft­mals der Typ „wehr­lo­ser Stre­ber“, der hier­für genom­men wird. Ich glau­be nicht an eine Vorgeschichte.

    Inter­es­sant bleibt wei­ter­hin, wel­che ver­eins­in­ter­nen, zivil- und straf­recht­li­chen Fol­gen die­ser Zwi­schen­fall haben wird.

  11. Stefan

    13. Januar 2009 — 16:25

    Am Wochen­en­de ist ja Spiel­tag in der 2. Bun­des­li­ga, dann wer­den wir sehen, wie der Ver­ein reagiert. Inzwi­schen ist auch die Ent­schul­di­gung vom 07.01.09 veröffentlicht.

    @SHL: Einen Unter­schied sehe ich schon, Dort­mund berich­tet über einen Ein­zel­nen, Elber­feld auch über das Ver­hal­ten von wei­te­ren Anwesenden.

  12. Stefan

    19. Januar 2009 — 09:01

    Tho­mas Hen­richs durf­te spie­len. Jetzt wür­de mich doch mal inter­es­sie­ren, wel­che Sank­ti­on der Ver­ein ver­hängt hat.

  13. Offen­sicht­lich hat­te der Ver­ein kei­ne Lust, sich selbst zu bestra­fen ;o)
    Mal schau­en, was noch passiert.

  14. Hen­richs hat auch im Deut­schen Pokal gespielt, obwohl sie dem Ergeb­nis nach hier ein Aus­set­zen hät­ten ver­schmer­zen können.
    Die Sank­tio­nen wer­den sich anschei­nend doch dar­auf beschrän­ken, dass Hen­richs das nächs­te Weih­nachts­tur­nier nicht mit­spie­len darf – oder er dann nur max. ein Bier pro Par­tie(!!) trin­ken darf? ;-)

  15. sometimesdrunk

    24. Januar 2009 — 04:44

    Zum The­ma Präzedenzfälle:

    In einem Punkt­spiel der Hes­sen­li­ga hat­te der Spie­ler Mar­kus D. von Sfr. S. sei­nen Kon­tra­hen­ten M. zunächst belei­digt und dann gewürgt (Schwitz­kas­ten), weil M das Läu­fe­rend­spiel mit Mehr­bau­er trotz meh­re­rer Remis­an­ge­bo­te von D auf Gewinn kne­ten woll­te. Die Belei­di­gung lau­te­te „Das ist totre­mis, Du fet­tes Schwein !“
    Der Hes­si­sche Schach­ver­band ver­häng­te eine 12monatige Sper­re für D., die für alle offi­zi­el­len Ein­zel- und Mann­schafts­wett­be­wer­be des DSB gül­tig ist.

    Bei Tho­mas Hen­richs ist das Sper­ren ver­mut­lich schwie­rig aus­zu­spre­chen, da des­sen Ent­glei­sung bei einem Pri­vat­tur­nier statt­ge­fun­den hat­te. Ande­rer­seits ist sein guter (?!)Ruf dahin, zusätz­lich dürf­te zivll- und straf­recht­lich Eini­ges auf ihn zukommen.

  16. Schlechtspüler

    3. Februar 2009 — 10:24

    Die schwer­wie­gends­te Sank­ti­on ist jeden­falls, wenn er das nächs­te Weih­nachts­blitz­tur­nier nicht mit­spie­len dürfte.

    Ob man bei einem sol­chen „Kava­liers­de­likt“ – zumal unter der ent­hem­men­den Wir­kung von Bier – zu solch dra­ko­ni­schen Stra­fen grei­fen soll­te, müs­sen ande­re entscheiden.

    Der Ver­ein Han­sa Dort­mund hat umge­hend das Ver­hal­ten sei­nes Spit­zen­spie­lers auf das Schärfs­te miss­bil­ligt und sich hin­ter den „lie­ben Gast“ Tho­mas Schunk gestellt.

    Zudem hat auch Tho­mas Hen­richs sein Bedau­ern aus­ge­drückt und betont, dass er Herrn Schunk außer­halb des Schach­bretts nicht mehr angrei­fen wird.

    Als Nicht­be­trof­fe­ner klingt das für mich alles sehr glaub­wür­dig und auf­rich­tig. Als Tho­mas Schunk wür­de ich dar­über aber ganz anders denken.

    Alles hat eben sei­ne 2 Seiten.

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