Schachblätter

Von der Kur zurück: Dr. Oetker operiert wieder

Wenn man sich einen Kiosk für deutschsprachige Schachzeitschriften als einen Schallplattenladen vorstellen würde, dann müsste man den Randspringer unter Underground oder Punkrock suchen. Aber wahrscheinlich würde es ihn gar nicht im Laden geben, genauso wenig, wie es Schallplattenläden gibt. Der Randspringer aus Südwestdeutschland hatte seine große Zeit wahrscheinlich in den Achtzigern, war dann lange Zeit verstummt und erscheint seit einigen Jahren wieder, selbstredend in unregelmäßigen Abständen. Alleiniger Redakteur ist Rainer Schlenker, chessgames liefert einen kleinen Einblick in dessen aktive Zeit. Das aktuelle Heft Nr. 82–84 beginnt Rainer Schlenker mit seinem Rücktritt vom organisierten Schach. Und das liest sich so:

randspringer2.jpg

Es folgen 154 Seiten, vollgestopft mit Partien und Erlebnissen des Autors, vom Eintrag in Informator und New In Chess Yearbook bis hin zu uhrenfreien Partien aus Kneipe und Garten, in der Regel den eigenen eröffnungspolitischen Kosmos Rainer Schlenkers abbildend. Wildes, kombinatorisches Schach. Alles im Randspringer-Sprech, das ich gar nicht erst nachzuahmen versuche. Vor einigen Jahren hätte man die Zeitschrift eventuell als Egozine rubriziert. Inzwischen gibt es ja Weblogs dafür. Wer aber wirklich mal eine Zeitung lesen will und nicht mit den Info-Häppchen der Leitmedien zufrieden ist, dem kann der Randspringer reinen Herzens empfohlen werden (Bezug ausschließlich über ebay). Und wer weiß, vielleicht bekommt Schlenkers Hinwendung zur »Basis« außerhalb des organisierten Schachs angesichts des Zustands der Schachverbände ja noch vermehrte Aktualität?

Kategorien: Zeitungen

Kontrollverlust » « Meta XXI

17 Kommentare

  1. »Franco-Polnisch«?? Schreit nach einem Themen-Turnier…

  2. War Diktator Franco etwa auch ein Schachspieler und wenn ja
    was hatte er mit Polen zu schaffen?

  3. Ein sehr amüsanter Auszug. Schade daß es keine Webseite zu geben scheint, wo man mehr vom Randspringer »erspähen« könnte. Im Zeitschriftenhandel suche ich ihn nicht; in Wien ist schon der Kaissiber kaum zu sehen.

    Die gezeigte Variante finde ich interessant, weil ich im Internet-Blitz gerne derartiges ausprobiere. Derzeit gerade Grob’s 1.g4, was mitunter Ähnlichkeiten hinsichtlich eines Fiachettoläufers und eventuellem Lxb7 bzw. Lxg2 aufweist.

    In einem alten Fritzbuch habe ich folgende Variante gefunden:

    [Event »?«]
    [Site »?«]
    [Date »2009.01.08«]
    [Round »?«]
    [White »Franco-Polnisch«]
    [Black »(Fritz7.ctg)«]
    [Result »*«]
    [PlyCount »17«]

    1. e4 (1. d4 b5 {A40 Polnische Verteidigung}) 1… e6 2. d4 b5 {
    (im Fritzbuch mit ? markiert)} 3. Bxb5 Bb7 4. Bd3 f5 5. Nd2 Nf6 6. Qe2 c5 7.
    dxc5 Bxc5 8. Ngf3 O‑O 9. O‑O *

    Der ChessOK-Buchbaum hat Fortsetzungen aus sechs Partien hierzu, wobei Weiß 83,3% scorte. Das wird mich aber nicht hindern es als Schwarzer auszuprobieren, insbesondere mit dieser Zugumstellung. Das werden nur die wenigsten Gegner auswendig kennen, und darauf kommt es (mir) an. :-)

  4. Stefan

    8. Januar 2009 — 09:12

    Franco-Polnisch erklärt sich aus der Mischung von Polnischer (b7-b5) und Französischer (e7-e6) Verteidigung. Es gibt ein Randspringer-Sonderheft dazu, mit dem Versuch einer systematischen Darstellung der aktuellen »Eröffnungstheorie«.

  5. Stefan

    9. Januar 2009 — 07:39

    @ElNino: Wir können ja eine blogöffentliche Partie spielen…
    ich würde auch Schwarz nehmen!

  6. Da stiege ich mit ein, zusätzlich noch unter Vorgabe des Bauern f7, damit man noch eine halboffene Linie in Beschlag nehmen kann. :-)

  7. Stefan

    9. Januar 2009 — 09:14

    Nein, nein, das wäre dann doch zu einfach für Schwarz. In den normalen Abspielen muss der f‑Bauer ja erst noch umständlich geopfert werden ;-)

    Jetzt brauchen wir nur noch einen Weiß-Spieler!

  8. @Stefan Ich kann mich dafür zur Verfügung stellen – wahrscheinlich wird’s dann aber nur eine Kurzpartie. ;-)

    @Permanent Brain Ich kenne keine Eröffnung und bin hier auch ziemlich lernresistent. Daher würde mich auch so etwas kaum aus dem Konzept bringen. ;-) 

    Für mich beginnt eine Schachpartie eigentlich erst, wenn auch der andere »out of book« ist – leider stehe ich dann oft schon auf Abriss…

  9. Hier wird in einem Tempo gebloggt, dass ein Deutscher Verwaltungsbeamter Ohrensausen bekommt…
    @Stefan @ Etez @Nordlicht: Die Idee der Partie ist reizvoll; sollte es soweit kommen, stelle ich mit Weiß/Schwarz als Spieler oder »auch nur« als Schiri zur Verfügung…Damit am Ende die Herren nicht handgreiflich werden! http://hansa-news.blogspot.com/2009/01/in-eigener-sache-stellungnahme-zu-den.html Wahnsinn; ich dachte immer, alles erlebt zu haben! Danke für den Hinweis an die Schachblätter!

  10. Stefan

    10. Januar 2009 — 11:17

    Wenn es außer mir noch einen weiteren Teilnehmer gibt, schlage ich ein Thematurnier auf einem Fernschachserver vor. Zusagen?

  11. Oder als offenes Turnier hier? Und für die Regeln: keine Rechnerunterstützung?

  12. Keine Rechner sollten eine Selbstverständlichkeit sein. Ich weiß bloß nicht, wie wir das Turnier auf dieser Seite organisieren sollten, weil ich kein dynamisches Brett habe, das alle Teilnehmer selbst bedienen können. Wäre mir aber natürlich die liebste Möglichkeit.

  13. Könnte man sich nicht bei schach.de in einem Turnier-Raum treffen? Aber ich bin natürlich offen für alle Vorschläge…

  14. Stefan

    5. März 2009 — 07:35

    Ich weise noch auf die Rezension der Randspringer durch den langjährigen Weggefährten Schlenkers hin:
    http://www.kaniaverlag.de/htm/randspringer.html

  15. Bei chessbase steht auch was dazu! Upps, ich habe das »CB«-Wort genannt…Werde ich jetzt auch verklagt??!

  16. Alleine der Name Bastard-Indisch reizt mich schon, dies in bewährter Kaffeeschachmanier auszuprobieren, zumal ich augenblicklich 1. d4; Sf6 2. g4 (bestimmt gibt es dafür schon einen Namen wie Mutter von Bastard-Indisch o. ä.) durchaus gerne spiele.

  17. Das heißt in der Schlenker-Diktion »Ochsenfrosch-Gambit«. Weitgehend ausanalysiert. 1.c4 g5 hat aber einen anderen Hintergrund: Der Weiße soll für seinen ersten Zug bestraft und die Schwächung der langen Diagonale soll ausgenutzt werden (der Stützzug c2-c3 geht ja nicht mehr!).

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