Andor Lilienthal 95

Chessbase bringt anlässlich des 95. Geburtstages von Andor Lilienthal ein Interview von Dagobert Kohlmeyer.

KOHLMEYER
Jeder hat seine Lieblingspartie. Bei dir ist es ganz sicher die gegen Capablanca in Hastings?

LILIENTHAL
Ja klar. Viele halten sie für eine unsterbliche. Gegen ein solches Schachgenie erfolgreich die Dame zu opfern, das ist schon etwas ganz Besonderes. Es bleibt ewig im Gedächtnis. Interessant war vor allem, dass Capablanca bis dahin in seinem Leben noch nie in 26 Zügen verloren hatte.

Lilienthal – Capablanca
Hastings, 01.01.1935
E24 Nimzowitsch-Indische Verteidigung

1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4 4.a3 Lxc3+ 5.bxc3 b6 6.f3 d5 7.Lg5 h6 8.Lh4 La6 9.e4 Lxc4 10.Lxc4 dxc4 11.Da4+ Dd7 12.Dxc4 Dc6 13.Dd3 Sbd7 14.Se2 Td8 15.0–0 a5 16.Dc2 Dc4 17.f4 Tc8 18.f5 e5 19.dxe5 Dxe4

20.exf6 Ein weit berechnetes Damenopfer. Ich hatte es schon bei meinem Zug 18.f5 in Betracht gezogen und erwartete voller Aufregung die Antwort meines Gegners. Das Opfermotiv ist klar: Die unglückliche Lage des feindlichen Königs und die Passivität der schwarzen Figuren sollen ausgenutzt werden. Als entscheidende Angriffsmethode erweist sich die Öffnung der e‑Linie. Im Unterschied zu anderen Opferpartien bekommt der schwarze König das erste Schach nicht sofort, sondern erst nach einigen Zügen. 20…Dxc2 21.fxg7 Tg8 22.Sd4 De4 Schweren Herzens gespielt, aber auch andere Wegzüge der Dame helfen Weiß nichts: 22…Dd2 23.Tae1+ Se5 24.Txe5 Kd7 25.Td5+ Ke8 26.Te1+ oder 22…Dxc3 23.Tae1+ Se5 24.Txe5+ Kd7 25.Te7+ Kd6 26. Sb5+. 23.Tae1 Sc5 24.Txe4+ Sxe4 25.Te1 Weiß setzt den Schlusspunkt unter seine Kombination, wonach er materiellen Vorteil behält. 25…Txg7 26.Txe4+ Kd7 Schwarz gab gleichzeitig auf. Capablanca wartete die Antwort 27.Te7+ Kd6 28.f6 nebst 29.Lg3+ nicht ab, reichte mir lächelnd die Hand und gratulierte zum Sieg. Ich konnte mein Glücksgefühl nicht verbergen. 1–0 (Anmerkungen: Andor Lilienthal)

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Kategorien: Schachgeschichte

1 Kommentar

  1. Mich erinnert diese wunderschöne Partie an einen Geniestreich von Michail Tal, der bei Olympia 1962 gegen Hajo Hecht ähnlich gewann. Auch hier geschieht das Zugpaar fxg7 … Tg8 unmittelbar nach dem Damenopfer!

    Weiß: Tal Schwarz: Hecht 1962 (Varna)

    1. d4 Nf6 2. c4 e6 3. Nf3 b6 4. Nc3 Bb4 5. Bg5 Bb7 6. e3 h6 7. Bh4 Bxc3+ 8. bxc3 d6 9. Nd2 e5 10. f3 Qe7 11. e4 Nbd7 12. Bd3 Nf8 13. c5 dxc5 14. dxe5 Qxe5 15. Qa4+ c6 16. O‑O Ng6 17. Nc4 Qe6 18. e5 b5 19. exf6 bxa4 20. fxg7 Rg8 21. Bf5 Nxh4 22. Bxe6 Ba6 23. Nd6+ Ke7 24. Bc4 Rxg7 25. g3 Kxd6 26. Bxa6 Nf5 27. Rab1 f6 28. Rfd1+ Ke7 29. Re1+ Kd6 30. Kf2 c4 31. g4 Ne7 32. Rb7 Rag8 33. Bxc4 Nd5 34. Bxd5 cxd5 35. Rb4 Rc8 36. Rxa4 Rxc3 37. Ra6+ Kc5 38. Rxf6 h5 39. h3 hxg4 40. hxg4 Rh7 41. g5 Rh5 42. Rf5 Rc2+ 43. Kg3 Kc4 44. Ree5 d4 45. g6 Rh1 46. Rc5+ Kd3 47. Rxc2 Kxc2 48. Kf4 Rg1 49. Rg5 1–0

    beste Grüße – slimslam – http://schachneurotiker.blogg.de/

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