Formfragen

Wie bereits kurz erwähnt, bin ich seit einigen Tagen im Besitz von Better Moves for Better Shogi von Aono Teruichi. Das erste Kapitel steht unter der Ãœberschrift Good shape is the basis of good shogi und auf der Seite 19 bin ich zu der Ãœberzeugung gelangt, dass Shogi für einen schachverbildeten Mitteleuropäer wahrscheinlich nicht zu verstehen ist. Das referierte Abspiel endet nämlich mit dieser Stellung und dem knappen Bemerken White has no defense.

shape

OK, der weiße König (Weiß ist „oben“) steht etwas offen, sein Turm ist passiv, der schwarze Läufer guckt in die weiße Stellung und Schwarz hat zwei Goldgeneräle auf der Hand. Aber Schwarz hat immerhin einen ganzen Turm geopfert und was passiert eigentlich nach S‑3b? Ein paar Varianten hätte ich mir dann doch noch gewünscht. Jetzt traue ich mich nicht mehr weiterzulesen. 

Kategorien: Shogi

10 Kommentare

  1. Die Widerlegung von S‑3b kann ich dir natürlich auch nicht zeigen (wenn ich Nerven hätte, würde ich mir G(oderP)*4c, G*2c oder Bx2b+ anschauen), aber viel interessanter finde ich ohnehin die Odyssee des Pferds auf 3e. Da es nicht direkt von 2i gekommen sein kann, muss es wohl bereits einmal von Weiß geschlagen und wieder eingesetzt worden sein, um dann wiederum von Schwarz geschlagen und eingesetzt zu werden. Alternativ könnte natürlich auch eines der Pferde auf 2a oder 8a ein eingesetztes sein…

  2. Meinst du mit Pferd jetzt den Springer? Ansonsten wird doch der umgewandelte Läufer zum Pferd!?

    So, genug gekrittelt ;)

  3. Ich bin da zu sehr chinesisch vorbelastet und du hast natürlich recht, denn der japanische Springer springt ja tatsächlich und sollte dann auch so genannt werden. Aber die ganze Materie ist mir viel zu kompliziert :) Bei der hierzulande am häufigsten gespielten Schachvariante lernt man früh, dass man den Springer auf gar keinen Fall Pferd nennen darf. Beim chinesischen Schach muss man diese Prägung über Bord werfen und wieder Pferd sagen. Und das Shogi kennt sogar beides? Ich werde mir mal ein Schaubild malen…

  4. Stefan

    25. Mai 2009 — 22:21

    Um wenigstens die Retro-Frage zu beantworten, gebe ich hier mal die Ausgangsstellung:

    shape2

    Es ist gut zu erkennen, dass Weiß sein Yagura fertigbauen will, ohne sich um seinen eigenen Angriff zu kümmern. Laut Buch ist auch das schlechte Form. Das gab Schwarz Gelegenheit, sein eigenes Castle zurückzustellen und mit Silber, Turm und Springer auf der 4. Reihe anzugreifen.

    R‑4h B‑4b
    S‑5f K‑3a
    N‑3g P‑5d (ganz schlecht sei K‑2b N‑2e S‑2d P‑4e)
    N‑2e S‑2b
    P‑4e P‑2d
    Px4d G‑5c
    S‑4e Px2e
    Sxd3 N*5a
    P‑4c+ G5cx4c
    Sx4c+ Gx4c
    Rx4c+ Nx4c
    P*4d S+3d
    Px4c+ Sx4c
    N*3e

    und damit ist die Stellung aus dem Artikel erreicht. Der Springer wurde also tatsächlich von Weiß geschlagen und eingesetzt und dann wiederum von Schwarz geschlagen und eingesetzt.

  5. Stefan

    26. Mai 2009 — 08:32

    Wegen dieser Sache habe ich takadori, den Shogi-Guru im Netz, via Twitter kontaktiert. Lapidare Antwort:

    It seems hopeless for white. I think S‑3d would be better than S‑3b, but whether S‑3d or S‑3b, the next P*4c would be too painfull.

    Auf meine Antwort B‑1e ergänzte takadori noch

    G*4b Bx4b Px4b+ Rx4b B*5c would be one variation.

    Das muss ich mir dann mal auf einem Brett angucken.

  6. Hast du eigentlich schon die „Sam Sloan“‑Neuauflage?
    Ich hab erst kürzlich die seltene Erstauflage bei ebay ersteigert, nur um kurz darauf zu erfahren, dass das Buch wieder erhältlich ist. Glücklicherweise war der Preis fair, so dass ich nicht die sonst üblichen Liebhaberpreise zahlen musste.

  7. Lass dich nicht vom ersten Kapitel einschüchtern. Ging mir anfangs auch so. Ist aber nicht tragisch. An der Stelle ist es erst mal wichtig zu erkennen, was Aono unter good und bad shape versteht und wozu das führen kann. Ich hatte das Buch auch zunächst zur Seite gelegt. Irgendwann hab ich es dann wieder rausgekramt und einfach weiter gelesen. Ich hab es nicht bereut. Besonders das Kapitel zum Thema Angriff (d. h. wie man Silber und Bauer geschickt einsetzt) ist hervorragend und lässt sich sofort in die Praxis umsetzen.

    Wer als Schachspieler aber Fakten bevorzugt und lieber ausgiebige Kommentare des Meisters Habu zu ausgewählten Amateurpartien nachlesen will, dem sei „ Habu’s Words“ empfohlen. Ich bin zwar kein Schachbuchexperte, aber was die Darstellung angeht, erinnert es an Max Euwes „Meister gegen Amateur“ (bzw. die gesamte Trilogie).

  8. Stefan

    6. Juni 2009 — 21:47

    Danke für die Aufmunterung. Ich habe tatsächlich die Neuauflage, es handelt sich aber um einen unveränderten Nachdruck. Bin irgendwo bei Takadori darauf gestoßen worden.

    Ich sehe gerade deine Rezension von Habu’s Words. Welche Notation verwendet er eigentlich? Das geht ja manchmal etwas durcheinander.

  9. Danke für die positive Bewertung! Vermutlich bist du damit der einzige Leser.
    Zur Notation: Ich habs gerade nicht zur Hand, aber meines Wissens wird für Drops das Symbol „ ´ “ verwendet. Das müsste für alle Bücher der Shogi Foundation, wie z. B. Art of Shogi, Classic Shogi und Habu’s Words, gelten. Ãœblich ist ansonsten das Sternchen „ * “.

    Ãœbrigens: Die in Habu’s Words dargestellten Spiele sind glücklicherweise nicht anonymisiert. Und da die Shogi-Gemeinde doch recht überschaubar ist, wird man früher oder später den genannten Spielern online begegnen (allerdings haben die meisten Spieler in puncto Spielstärke mittlerweile kräftig zugelegt).

  10. Ich hab mal einen starken 4Dan-Spieler (nein, nicht Takodori) zu der im Diagramm dargestellten Situation befragt und der geriet daraufhin ins Grübeln. Irgendwann bemerkte er dann sinngemäß: „Je länger ich darüber nachdenke, desto komplizierter erscheint mir das Problem.“

    Er hatte folgenden interessanten Vorschlag: Gote R*4g. Der Turm-Drop dient sowohl dem Angriff als auch der Verteidigung. Wenn Sente zur Verteidigung nun p*4h spielt, so seine Idee, kann er den Bauern nicht mehr im Angriff einsetzen (Materialverlust ist für Gote allerdings unvermeidbar.)

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