Gegenüber

Walter fand Gehirnjogging sehr wichtig. Er hatte immer ein Schachspiel aufgebaut im Wohnzimmer stehen, machte einen Zug, dann setzte er sich auf den gegenüberliegenden Platz und machte da einen Zug. „So wird die Psyche mit sich selbst konfrontiert. Es gibt einen Dialog. Der Geist muss sich angesprochen fühlen, Vesta, sonst verkümmert er. Er verwandelt sich in einen trüben Morast.“ Ich musste an den Brunnen in der Shopping Mall von Monolith denken, in dem das gechlorte Wasser immer wieder hochgepumpt wurde.

– Ottessa Moshfegh: Der Tod in ihren Händen. In der Art von Walter Guhl habe ich als Kind jahrelang Schach gespielt, allerdings nicht aus übergeordneten Gründen, sondern weil ich kaum Spielpartner hatte. Die psychische Verfasstheit der Protagonisten dieses Romans bleibt mir aber hoffentlich erspart. Ein beunruhigendes Buch, großartige Autorin.

Ein Kommentar

alex 10. August 2022

Ich habe das nie verstanden wie man gegen sich selbst Schach spielen kann, habe das als Spleen abgetan. Das ist doch totlangweilig, da weiß man doch immer genau, was der andere, also man selbst, vor hat. Man müsste quasi vergessen, was man gerade gedacht hat als man noch der andere Spieler war, dann könnte es klappen. Normalerweise sollte da am Ende ein Remis rauskommen, oder?

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