Jahrestage

Gutmayer unterschied einen mutigen arischen Schachstil von einem feigen jüdischen. War der erste angeblich auf eine heldenhafte, antitheoretische, intuitive Zerschlagung des gegnerischen Spiels aus, kalkulierte der angeblich jüdische Stil, verharrte in der Defensive und zog ein Remis dem heldenhaften Sieg oder der Niederlage vor. So unterschied er zwei Spielstile: »Der erste: Wille zur Macht und Ãœbermacht mit der Tendenz, das feindliche Spiel zu zerschlagen. Der andere: Wille zum koscheren Geschäft mit der Tendenz, jedenfalls sicher zu gehen. Kein Risiko, lieber zehnmal ein ekelhaft feiges Remis. Daher nur machen, was man genau sieht. Horizont: Die eigene krumme Nase. Perspektive: Ein fettes Honorar.«

Klaus Gaisenkersting und Martin Krauß über „arisches“ Schach

Kategorien: Schachgeschichte

1 Kommentar

  1. Ich habe ein Buch Gutmayer aus den 20ern. Es ist voller Fehler, aber schachhistorisch durchaus interessant: In einer Zeit, in der der positionelle Stil sich langsam durchzusetzen vermochte und dynamische Elemente im Schach zumeist abwesend waren, war er ein Fürsprecher der Romantik.
    Dass er dies mit antisemitischer Rhetorik verbindet, ist sicherlich problematisch und bedauerlich, aber meines Wissens gibt es diese zumindest in meinem Buch nicht. Ich werde aber nochmal nachblättern.

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