Schachblätter

Schach aus objektivistischer Sicht

Dia­na Hsieh hat in Ayn Rand Ans­wers: The Best of Her Q&A eine phi­lo­so­phi­sche Begrün­dung für deren Abnei­gung gegen das Schach gefunden:

I could never play chess. I resent it on princip­le. It invol­ves too much was­ted thin­king. Chess is all „ifs,“ and if there’s one thing I can­not do mental­ly, it’s hand­le anything more than two „ifs.“ In chess, you must con­si­der hund­reds of pos­si­bi­li­ties, it’s all con­di­tio­nal, and I resent that. That is not the method of cogni­ti­on; rea­li­ty does­n’t demand that kind of thin­king. In cogni­ti­on, if you defi­ne the pro­blem clear­ly, you real­ly have only one alter­na­ti­ve: „It is so“ or „It is not so.“ The­re is not a long line of „ifs“ – and if your oppo­nent does this, you will do that. I can’t func­tion that way, for all the rea­sons that make me a good theo­re­ti­cal thin­ker: it’s a dif­fe­rent epis­te­mo­lo­gi­cal base.

Ich könn­te nie­mals Schach spie­len. Ich ärge­re mich aus Prin­zip dar­über. Es bringt zuviel ver­schwen­de­tes Den­ken mit sich. Schach ist vol­ler „Wenn“, und wenn es eine Sache gibt, die ich men­tal nicht tun kann, ist es etwas mit mehr als zwei „Wenn“ zu behan­deln. Im Schach musst du Hun­der­te von Mög­lich­kei­ten in Betracht zie­hen, alles ist bedingt, und dar­an sto­ße ich mich. Das ist nicht die Metho­de der Erkennt­nis; die Wirk­lich­keit erfor­dert die­se Art des Den­kens nicht. Bei der Erkennt­nis hast du nur eine Alter­na­ti­ve, wenn du das Pro­blem klar defi­nierst: „Es ist so“ oder „Es ist nicht so“. Es gibt kei­ne lan­ge Rei­he von „Wenn“ – und wenn dein Geg­ner dies tun wird, wirst du das tun. Aus all den Grün­den, die mich zu einem guten theo­re­ti­schen Den­ker machen, kann ich nicht auf die­se Art funk­tio­nie­ren: Es ist eine ande­re erkennt­nis­theo­re­ti­sche Grundlage.

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2 Kommentare

  1. Ich ken­ne den Autor die­ser Zei­len nicht. Sei­ne Ãœber­le­gung, die Wirk­lich­keit lie­ße sich durch kla­re Aus­sa­gen wie ‚es ist‘ oder ‚es ist nicht‘ theo­re­tisch genau erfas­sen erscheint mir jedoch frag­wür­dig. Zei­gen uns nicht die Erkennt­nis­se der Phy­sik seit Hei­sen­berg, daß die Wirk­lich­keit offen­bar eben nicht ein es ist, es ist nicht ist? Sind die gan­zen ‚Wenns‘ und ‚Wenn danns‘ im Schach­spiel nicht ein gutes Bild für die Mög­lich­kei­ten der frei­en Ent­schei­dung, die immer auch mit ihren Kon­se­quen­zen leben muß? Die Welt kommt mir auch ganz ohne die Erkennt­nis­se der moder­nen Phy­sik nicht sehr ein­deu­tig und fest­ge­legt vor. 

    Die Fra­ge, wel­che Eigen­art das Den­ken des Schach­spie­lers hat und wie es sich auf sein Den­ken über die sons­ti­ge Welt aus­wirkt fin­de ich sehr inter­es­sant. Mein per­sön­li­cher Ein­druck als lang­jäh­ri­ger Schach­spie­ler ist, daß mein Blick auf die Wirk­lich­keit außer­halb der 64 Fel­der stark von mei­nen Denkerfah­run­gen am Schach­brett beein­flußt ist, jeden­falls emp­fin­de ich es so.

  2. Hat Ein­stein nicht mal gesagt, er möge Schach nicht beson­ders, weil ihn der grim­mi­ge Wett­kampf­cha­rak­ter stört?

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