Stralsund

Die letzte Runde Oberliga brachte uns ein Heimspiel gegen die Nachbarstadt. Wir wären lieber die 35 Kilometer nach Stralsund gefahren und hätten dafür die Fahrt nach Cottbus eingetauscht, wie ursprünglich auch ausgelost, aber der Staffelleiter war damit nicht zufrieden.

Das Budapester Gambit ist hier noch gut zu erkennen. Weiß hat das Läuferpaar und sollte sich am Damenflügel ausbreiten, aber ich sah nach zuletzt De7-g5 Gespenster (h7-h5-h4 und Matt auf g2) und spielte deshalb nicht das thematische 17.c5 mit großem Vorteil (17…h5 18.cxd6 h4 19.d7!), sondern das ängstliche 17.f3, um die Diagonale zu schließen. Nach 17…Lc6 nahm ich das Remisgebot von Andreas Kohn an. Objektiv sollte die Stellung gleich sein, aber es ist schon Weiß, der Probleme lösen muss. Die Mannschaft gewann am Ende souverän mit 6.5-1.5, die beste Oberligasaison für das Greifswalder Schach, aber ich bin froh, dass sie endlich vorbei ist.

Zweite Runde

mehlkalhorn

In der 2. Mannschaft in der Verbandsliga ausgeholfen, was grandios daneben ging. An drei Weißbrettern hatten wir zwei Kurzremis und eine Niederlage geholt, der Rest war unklar, kein Mannschaftsführer greifbar und ich versuchte eine Stellung mit Minusqualität zu gewinnen, für die ich aber einiges an Kompensation hatte.

Hier wäre der Moment für 42…Se3 (Idee Se3-c2-d4xe2) gewesen. Der Springer geht nicht verloren, weil nach 43.Tf6+ Ke5 auch der weiße Turm hängt. Stattdessen ließ ich mich von 42…Sb2 blenden, was zwar den weißen König auf die Grundreihe zurückwirft: 43.Ke1 Ke3, aber Weiß hatte 44.Tb3+ Kd4 45.Te7 und jetzt hätte ich mit 45…Ta1+ 46.Kf2 (46.Kd2 Sc4+ 47,Lxc4 dxc4 und der Läufer deckt b7) 46…Ta2 Zugwiederholung forcieren müssen. Ich spielte jedoch 45…Sc4 und nun gewann der Weiße mit einfach 46.Txb7, weil die Springergabel 46…Sa5 gar keine Drohung war, der weiße Freibauer liefe nach 47.Ta7 Ta1+ 48.Kf2 Sxb3 49.Txa1 Sxa1 50.b7 einfach durch.

So kann man sich ganz leicht den Sonntag verderben.

Eine Remisstellung aufgeben (2)

In der letzten Runde der 2. Landesliga hatte sich Ernst Nauschütz mit Schwarz mit einem sehr spekulativen Figurenopfer von Karsten Manke auseinanderzusetzen. Nach heftigem Getümmel wäre Ernst in dieser Stellung mit einem Remis zufrieden gewesen. Karsten setzte hier mit 51.Tf4 fort. OK, 52.Th4+ ist eine Drohung, deshalb 51…De7. Es folgte 52.Dh5+ und – Aufgabe! 52…Kg8 53.Dh8 ist matt und 52…Th6 53.Txf7+ sah zu verheerend aus. Allerdings besteht ja kein Schlagzwang und ist die weiße Dame auch bedroht. Nach 53…Kg8! hätte Weiß nicht mehr als das Dauerschach nach 54.Dxh6 Kxf7 55.Dh5+ gehabt. Das war natürlich in der Zeitnot schwer zu sehen.

Schlagzwang

In der letzten Runde der 2. Landesliga Ost trafen, wie ja bereits avisiert, die 2. Mannschaften von FHS Stralsund und des Greifswalder Schachvereins aufeinander. Zuletzt lief noch die Begegnung zwischen Austen Brost und Jens Mildner. Jens hatte – nach einem Fingerfehler im ersten Zug – die weiße Initiative gut überstanden und war nach der Zeitkontrolle mit einer Mehrqualität übriggeblieben. Inzwischen hatte er diese wieder abgegeben, um in extremer Zeitnot die Stellung wenigstens einigermaßen übersichtlich zu halten. Beide hatte noch weniger als eine Minute Bedenkzeit auf der Uhr, als Austen ein Schach auf g4 gab, welches Jens flink mit Dg6 parierte (D). Der Weiße überlegte noch einige Sekunden und gab dann auf. Der Damentausch war nicht mehr zu vermeiden, der weiße König kann sich nicht rühren und der schwarze König holt die weißen Bauern ab. Doch Moment mal – die zahlreichen Kibitze witterten Unheil – konnte Weiß sich nicht einfach patt setzen lassen? 1.De4 Dxe4 2.fxe4, dann opfert Weiß die Mittelbauern und gibt danach mit a3-a4 und b4-b5 die Damenflügelbauern ab. Es entstand eine kurze Unruhe, bis zur allgemeinen Beruhigung festgestellt wurde, dass Schwarz den zweiten Bauern am Damenflügel nicht mehr nehmen muss, sondern stattdessen mit b5xa4-a3-a2-a1D einfach mattsetzt.

Gunter Reversed

Schachfreund Isigkeit geht vor der letzten Runde den umgekehrten Weg: Nicht die eigene Aufstellung bekanntgeben, sondern in der lokalen Presse die des Gegners vorhersagen:

Zur gleichen Zeit treffen am gleichen Ort die beiden zweiten Mannschaften dieser Vereine (Anm.: FHS Stralsund und Greifswalder SV) aufeinander. Beide haben das Geschehen an der Spitze lange mitbestimmt, besitzen jedoch praktisch keine Aufstiegschance mehr. Nur wenn beide Spitzenmannschaften aus Torgelow und Waren ihre Spiele gegen stark abstiegsgefährdete Mannschaften verlieren, wird der Aufsteiger am Sund ermittelt. Dies ist jedoch nicht zu erwarten, so dass es nur um Platz 3 in der 2. Landesliga geht. Erstaunlicherweise glauben die Greifswalder jedoch an ihre Minichance und rüsten stark auf. Daher sind sie auch der klare Favorit in dieser Begegnung.

Eine erfrischende klitze-kleine Rivalität zwischen Nachbarstädtern. Nicht der Rede wert.