Das ist keine Rezension

Eigentlich sollte hier eine Rezension der letzten Schach-Zeitung stehen. Ich hatte im Zeitungsladen kurz reingeblättert und war über die Buchbesprechungen von Harald Keilhack gestolpert. Dann habe ich das Heft kurzentschlossen gekauft. Es kostet jetzt fünf Euro. Die Buchbesprechungen habe ich zuerst gelesen. Ich mag den wohltuenden Ernst, mit dem Herr Keilhack Literaturkritik betreibt. Es ging… Das ist keine Rezension weiterlesen

Zur Lehre von den zwei Welten

Mich reizte beim Thema insbesondere die einzigartige Zwitterstellung einer sogenannten „alternativen“ Eröffnung mit dennoch klaren Verbindungslinien zu konservativen Eröffnungssystemen – vielleicht mein eigenes Leben reflektierend.

1.Sc3 gilt nach wie vor als „unorthodox“, mit der entsprechend stiefmütterlichen Behandlung in konservativen Medien wie Enzyklopädie und Informator. Andererseits, viele entstehende Stellungen lassen sich nur dann einigermaßen zuverlässig bewerten, wenn man penibel mit Situationen aus der herkömmlichen Theorie vergleicht. In dieser Hinsicht mangelt es Autoren aus der Ecke „Gambit & Unorthodox“ oft genug an Bereitschaft und Kompetenz. Ich versuchte mein Bestes, zwischen den Erkenntnissen aus beiden Welten zu vermitteln.

Harald Keilhack: Der Linksspringer 1.Sc3 (2003)

Familiäres

Inhaltlich ist das Schara-Henning-Gambit eher eine exterritoriale Enklave, die sich nur mehr zufällig in den Hoheitsgewässern der Tarrasch-Verteidigung befindet. Adoptiert wurde es von der berüchtigten „Gambit-Familie“, die schon längst ihre Unabhängigkeitserklärung vom schachlichen „Main Stream“ kundgetan hat und ihr (Un-) Wesen hauptsächlich in (Thema-) Fernturnieren betreibt (wo man sich auf eine Eröffnung oder Variante „einigt“, die im praktischen Spiel nie aufs Brett kommt – schon weil beide Seiten ihr beliebig ausweichen können) und sich mit Blackmar-Diemer-Gambit, Lettisch usw. – und eben auch Schara-Henning – daselbst amüsiert.

Harald Keilhack: Die Tarrasch-Verteidigung (1993)