Schachblätter

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In der Sicht­wei­se des For­ma­lis­mus wird die Mathe­ma­tik zu einem beson­ders kniff­li­gen Schach­spiel. Wir alle kön­nen uns dar­auf eini­gen, dass das Regel­sys­tem des Schach­spiels kei­ne objek­ti­ve Wirk­lich­keit abbil­det. Die fest­ge­leg­ten Regeln machen die gesam­te „Wahr­heit“ des Schach­spiels aus. In ähn­li­cher Wei­se sol­len dem For­ma­lis­mus zufol­ge die fest­ge­leg­ten Regeln die gesam­te Wahr­heit der Mathe­ma­tik dar­stel­len. Wir „gewin­nen“ in der Mathe­ma­tik, indem wir Theo­re­me bewei­sen – das heißt den Nach­weis erbrin­gen, dass sich eine unin­ter­pre­tier­te Zei­chen­ket­te mit Hil­fe der ver­ein­bar­ten Schluss­re­geln aus ande­ren unin­ter­pre­tier­ten Zei­chen­ket­ten ablei­ten lässt. Es gibt kei­ne exter­ne – außer­ma­the­ma­ti­sche – Wahr­heit, an der sich die Mathe­ma­tik mes­sen müsste.

Rebec­ca Gold­stein: Kurt Gödel (2006)

Klare Ansage » « Schlag meinen Bauern!

1 Kommentar

  1. Toll! Das kommt in mei­ne Samm­lung der „Multi-Inkompetenz“-Zitate: Aus­sa­gen, mit denen man zwang­los zeigt, dass man gleich von meh­re­ren The­men kei­ne Ahnung hat.
    Für Geisto­lo­gen (ich brin­ge es nicht mehr fer­tig, den Zusatz „Wis­sen­schaft­ler“ dahin­ter zu set­zen) ist Unwis­sen­heit im Kon­kre­ten ja eine Vor­aus­set­zung, sich mit einem The­ma zu befas­sen. Hier sehr schön zu sehen an der Unfä­hig­keit der Autorin, zwi­schen „Bewei­sen“ und „Ablei­ten“ zu unter­schei­den – obwohl das doch den Kern der Gödel­schen Arbeit ausmacht.
    Dane­ben ist das „Gewin­nen“ im Schach (also in einem Null­sum­men­spiel gegen einen fehl­ba­ren Geg­ner in einer sym­me­tri­schen Situa­ti­on) halt etwas total ande­res als das Bewei­sen in der Mathe­ma­tik (höchs­tens als hoch­gra­dig asym­me­tri­sches Nicht­null­sum­men­spiel fass­bar, mit dem sehr unfehl­ba­ren Geg­ner der „Wahr­heit“ – oder mei­net­hal­ben der Gesamt­heit aller Model­le eines logi­schen Systems).
    Die Frau hat Ph.D. in Phi­lo­so­phie mit 27. Har­vard, Best­sel­ler­au­torin, hau­fen­wei­se Sti­pen­di­en und Prei­se, Top-Ver­öf­fent­li­chun­gen in „Jewish Stu­dies“. Geni­us-Fel­low­ships und glor­rei­ches Bei­spiel von Eman­zi­pa­ti­on in der Wissenschaft.
    Wer wis­sen will, was im uni­ver­si­tä­ren Sys­tem falsch läuft und war­um in gan­zen Fach­ge­bie­ten mit­tel­al­ter­li­che Zustän­de herr­schen, hat hier ein gutes Fallbeispiel.

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