Die Durkin-Eröffnung hat wirklich Charme. Es macht einfach Spaß, das Pferd einleitend an den Rand des Brettes traben zu lassen, um auf diese Weise den Mainstream-Spießern mit ihren küchenphilosophischen Fibelsprüchen („Springer am Rand bringt Schand‘!“) lässig den Mittelfinger zu zeigen. Zumal sich der schachkulturell Interessierte, wenn er das Match mit 1.Sa3 beginnt, dabei in guter und jahrtausendealter Weisheit durchdrungener Gesellschaft weiß. Im chinesischen Schach „XiangQi“, das die Mehrheit der Asiaten für die Mutter aller Schacharten hält und das Ähnlichkeiten aufweist mit der FIDE-amtlichen Version, ist es eine akzeptierte Vorgehensweise, aus der Ausgangsstellung einleitend des linke Pferd („horse“) von b1 unverzüglich zum Punkt a3 traben zu lassen. Nach diesem Zug ist auf dem Brett des XiangQi der Durkin-typische Krafthebel aus Pferd auf a3 und Fußsoldat auf c4 installiert, weil schon in der Startposition der Infanterist auf c4 steht. Dagegen muss im FIDE-Schach der weiße c-Bauer erst noch ziehen, um den Hebel zu installieren.

René Gralla versucht im Kaissiber 27 den Randspinger interkulturell zu legitimieren – anlässlich einer Gewinnpartie gegen Durkins Patent.