Schachblätter

Comeback (2)

Beim Aufräumen fiel mir ein Partieformular vom 26. Mai 2018 in die Hände. Ich kann mich noch gut an den Tag erinnern. Ich war nach Hamburg gefahren, wo der Alsterpokal stattfand – ein eintägiges Xiangqiturnier, organisiert vom Tausendsassa Uwe Frischmuth. Wir spielten in einem Funktionsbau der Universität in Altona, es war unfassbar heiß und die Fenster ließen sich nicht öffnen. Ich hatte ein paar Jahre nicht mehr gespielt und wollte vor allem ausprobieren, ob es noch geht. 

In der ersten Runde wurde ich gleich gegen den vielfachen Deutschen Meister Karsten Hoffarth gelost. Er wählte glücklicherweise eine gängige Variante, in der ich mich einigermaßen erinnern konnte, wohin die Figuren gehören. Ich spielte munter nach vorn und der Schwarze vernachlässigte etwas den Schutz der Mittellinie.

Hier war 13…P3+1 angezeigt, der Druck der Kanone auf der 3. Linie kompensiert dann den Verlust des angegriffenen Pferdes auf der Mittellinie. Stattdessen zog Karsten die Kanone in die Mitte

13…C3=5

und verteidigte damit sein Pferd. Figuren in der Palastmitte haben jedoch den Nachteil, dass sie die Verbindung der Leibwächter verhindern. Jetzt konnte ich den schwachen Leibwächter neben dem schwarzen Feldherrn mit meinem zweiten Wagen attackieren:

14.R9+1 E7+9 15.R9=4 R8‑2

Schwarz schaffte es, den Berater noch einmal verteidigen, aber Rot konnte ihn mit Hilfe des »Feldherrenblicks« ein drittes Mal angreifen:

16.A4+5 P3+1 17.K5=4

Die erneuerte Mattdrohung konnte Schwarz nur noch unter Figurenverlust abwenden. Es folgte noch

17…C5=7 18.C5+4 H3+5 19.R4=5 A6+5 20.R5+1 R8+9

Drohte einzügig Matt, aber Rot war schneller:

21.R4+8#

Der Rest des Turniers lief dann nicht mehr so gut, aber noch einem solchen Auftakt kam es darauf nicht mehr an. Trotzdem fürchte ich, dass meine kleine Xiangqi-Karriere inzwischen beendet ist.

[PGN]

1.Che3 Hc8 2.Hg3 Cf8 3.Rh1 Hg8 4.Rh7 Pg6 5.Pc5 Rh10 6.Rg7 Rh8 7.Cb7 Cf9 8.Hc3 Cg9 9.Rf7 Cc9 10.Pe5 Pc6 11.Pe6 Ece8 12.Pxe7 Hgxe7 13.Hge4 Ce9 14.Ra2 Ei8 15.Raf2 Rh10 16.Afe2 Pxc5 17.Kf1 Cg9 18.Cxe7+ Hxe7 19.Rxe7 Afe9 20.Rxe8 Rh1 21.Rf10#

Kategorien: Xiangqi

Als ich das Schachspielen lernte » « Zähl nicht die Wellen

2 Kommentare

  1. Beim Blick auf die Tabelle des Turniers fühlte ich mich in meine Jugendzeit zurückversetzt, denn offenbar benutzt man beim Xiangqi heute noch die Ingo-Zahl, die im Bereich des DSB kurz nach nach der Vereinigung durch die DWZ ersetzt worden ist. Was war ich damals (so mit ca. 17) stolz, als ich zum ersten Mal zweistellig war, also eine Ingo-Zahl unter 100 hatte… Die Großmeister hatten um die 30 meine ich mich zu erinnern.

  2. Stefan

    11. Dezember 2020 — 09:09

    Ja, das ist eine Besonderheit im deutschen Xiangqi. Das wertet jemand aus, den ich nie kennengelernt habe. International gibt es aber ein Elo-System – glaube ich. Ich wollte gerade mal nachsehen, aber die Website des Weltverbandes ist nicht mehr da. Doch hier ist eine Rangliste.

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