Schachblätter

Das geht nicht

Anlässlich einer Fernschachpartie hatte ich Gelegenheit, mich mit dem Abspiel 1.e4 b6 2.d4 Lb7 3.Ld3 f5 auseinanderzusetzen. Ich erinnerte mich dunkel, dass diese Variante in den 1980er Jahren in Barther Schachkreisen einen gewissen Ruf genoss, mittlerweile aber nicht mehr spielbar sein sollte. So ist es in der Tat. Also: Finger weg!

Sobirey – Bender
Fernschachpartie, 1991
B00 Owen-Verteidigung

1.d4 b6 2.e4 Lb7 3.Ld3 f5 4.exf5 Lxg2 5.Dh5+ g6 6.fxg6 Lg7

6…Sf6?? 7.gxh7+! Sxh5 8.Lg6# (Greco)

7.gxh7+ Kf8 8.Sf3!

Das ist praktisch die Widerlegung der ganzen Variante. 8.hxg8D+ wurde früher ausschießlich gespielt, ist aber nicht klar. Es könnte zum Beispiel mit 8…Kxg8 9.Dg4 Lxh1 10.h4 Ld5 11.Sc3 Lf7 12.Lg5 Sc6 13.0–0–0 Sb4 14.Sf3 Sxd3+ weitergehen.

8…Sf6

Alles andere verliert forciert:

a) 8…Lxh1 9.Se5! Lxe5 (9…De8 10.hxg8D+) 10.dxe5

b) 8…Lxf3 9.hxg8D+ Kxg8 10.Dxf3

c) 8…Txh7 9.Lxh7 Lxh1 10.Se5 De8 11.Lg6 Dd8 12.Le4

9.Dg6 Lxf3

9…Lxh1 10.Lh6! Txh7 11.Sg5

10.Tg1 Txh7 11.Dg3 Le4 12.Lxe4 Sxe4 13.Df3+ Kg8 14.Dxe4 d5

14…Sc6 15.d5 Sa5 16.Lf4 sieht auch verheerend aus.

15.Dg6! Kh8 16.Sc3 Lxd4

a) 16…e5 17.Lg5

b) 16…c5 17.Tg5

17.Sxd5 Sd7 18.c3 Lg7 19.Lf4 Tc8 20.0–0–0 c6 21.Se3 e5 22.Sf5 exf4 23.Dxh7+! Kxh7 24.Txg7+ Kh8 25.Tdxd7 Dxd7 26.Txd7 Tg8 27.Tg7 Txg7 28.Sxg7 Kxg7 29.Kd2

1–0

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6 Kommentare

  1. Das geht sogar aus vielen anderen Gründen nicht. Meine Lieblingswiderlegung ist das knallige 7. Df5! Sf6 8. Lh6!! mit praktisch erzwungener Folge 8.…Lxh6 9. gxh7 Lxh1 10. Dg6+ Kf8 11. Dxh6+ Kf7 12. Sh3+-
    Wenn ich mich richtig erinnere, gab es dazu Mitte der 80er auch ein paar Kurzanalysen in SCHACH. Neben 7. Df5 und 8. Sf3 wurde dort auch 8. Se2 zum Sieg analysiert.

  2. admin

    19. September 2006 — 09:38

    Ist knalliger, fand ich aber schwieriger zu merken. Auf 7.Df5 Sf6 8.Lh6 geht noch 8…e6, freilich auch mit großem Vorteil für Weiß nach 9.Dg5 Lxh6 10.Dxg2 Sc6 11.gxh7.

  3. Werner Berger

    20. Juli 2009 — 15:48

    Gerade fürs FERNschach ist diese Variante denkbar ungeeignet, da die Widerlegung lange bekannt ist, z. B. aus Theo Schusters »Neue Schacheröffnungen« (1979!), aber das hat man in den 80ern in Barth wohl nicht gekannt…

  4. Stefan

    20. Juli 2009 — 17:16

    Nein, in der Tat. In der von mir rezipierten sowjetischen Eröffnungstheorie wurden randständige Varianten recht stiefmütterlich behandelt.

    Insofern war 3…f5 vielleicht eher ein szenetypischer Zug, der nach dem kommunistischen Zusammenbruch seine subversive Kraft vollkommen eingebüßt hat.

  5. Permanent Brain

    20. Juli 2009 — 17:19

    In Svidler gegen einen gewissen Chernyshow [2524], 2003, erfolgte auch 3…f5, aber Svidler erwiderte 4.d5:

    [Site »Voronezh RUS«]
    [Date »2003.06.14«]
    [White »Svidler, Peter«]
    [Black »Chernyshov, Konstantin«]
    [Result »1–0«]
    [ECO »B00«]
    [WhiteElo »2713«]
    [BlackElo »2524«]
    [PlyCount »53«]

    1. e4 b6 2. d4 Bb7 3. Bd3 f5 4. d5 fxe4 5. Bxe4 Nf6 6. Bf3 c6 7. c4 Ba6 8. b3
    b5 9. cxb5 Qa5+ 10. Bd2 Qxb5 11. Ne2 cxd5 12. Nbc3 Qb7 13. O‑O e6 14. Re1 Nc6
    15. Nxd5 exd5 16. Nf4+ Kd8 17. Nxd5 Ba3 18. Nxf6 gxf6 19. b4 Bc4 20. Re3 Bb2
    21. Rb1 Bd4 22. b5 d5 23. bxc6 Qxc6 24. Ba5+ Bb6 25. Rc1 Rc8 26. Bxb6+ axb6 27.
    Rec3 1–0

  6. Offenbar hat Swidler die Werke von Theo Schuster nicht ausreichend studiert.

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