Schachblätter

Ingo Schulze

I

Mein Armeebuch war zu einem blinden Fleck geworden. Ich wußte nicht, wann ich mich jemals wieder an die Arbeit machen würde. Wenn ich nach Dienstschluß nicht auf dem Bett lag, spielte ich Schach. Ich war ein beliebter Gegner, weil ich meistens verlor.

II

Sie werden wohl den Verdacht nicht unterdrücken können, daß ich hier versuche, mich post festum ins rechte Licht zu rücken, mich zum einzigen zu stilisieren, der bereits damals verstand, wohin der Hase läuft. Aber dem war nicht so. Wie beim Schachspiel versuchte ich nur, ein paar Züge vorauszuspekulieren. Ich hatte nicht mal die Vereinigung vor Augen, die damals schon von einigen gefordert wurde.

III

Die Verzweiflung in ihrem Gesicht war wie weggewischt. Er kam sich vor wie beim Schach, wenn sie ihm erlaubte, einen dummen Zug rückgängig zu machen. Aber er wollte nichts mehr rückgängig machen.

– Ingo Schulze: Neue Leben (2005)

Doof » « Hubert Walkewitz

2 Kommentare

  1. willkommen daheim

  2. admin

    14. August 2006 — 15:17

    danke, gleichfalls. War es schön heiß?

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