Null

Paul Watzlawick sagt, es gibt zwei Arten von Spielen: Es gibt Spiele mit Gewinnern und Verlierern, wie Schach oder Mühle; sie heißen Nullsummenspiele, weil das Glück des Gewinners verrechnet mit dem Unglück des Verlierers Null ergibt. Und es gibt Spiele mit nur Gewinnern, wie Puzzle spielen, Theater spielen, gemeinsam einen Hang herunter rollen; sie heißen Nicht-Nullsummenspiele, weil die Glücksbilanz ungleich Null, und meistens positiv ist.

Hyps über glückliche und unglückliche Spiele. Kommt mir wie Laienpsychologie vor, führt aber trotzdem zu der interessanten Frage, was das Schach so abschreckend macht. Wird gemeinhin ja dahingehend beantwortet, dass auch der Verlierer zu einer schönen Partie durch seine Züge beigetragen hat.

6 Gedanken zu „Null“

  1. Hi… Schach ist schöööön! Ich denke: Beziehungen zu führen, wie man Schach spielt – “Dein Verlust ist mein Gewinn, und dein Gewinn ist mein Verlust!” – ist nicht so schön… Ich glaube, so ein Spiel wird unter Kollegen öfter gespielt, und auch unter “Freunden” und in Partnerschaften. Da spiel ich doch lieber Schach auf dem Brett!

  2. Der Begriff “Nullsummenspiel” entspringt nicht dem psychologischen Vokabular, sondern dem der Spieltheorie. Dabei ist die Trennung in Nullsummenspiel und keine Nullsummenspiele insofern wichtig, da unterschiedliche Strategien gewählt werden müssen/können und es somit auch zu unterschiedlichen Gleichgewichtssituationen kommen kann, gerade bei wiederholten Spielen. Bei diesen wiederum kommt man durchaus in das Gebiet der Psychologie, weil kurzfristig unsinnige Strategien im Sinne des homo oeconomicus aufgrund von Kooperation zu langfristig evolutionär stabilen Strategien führen kann.

    In diesem Sinne ist aber die Terminologie von Watzlawick nicht der der Spieltheorie, weil puzzlen und Theaterspiel keine Spiele im Sinne der Spieltheorie sind. In der Tat betrachtet der Autor hier wohl eher irgendwelche utilitaristischen Theorien, die jedoch umfassender sind.

    Zurück zum Schach: Nicht-Nullsummenspiele sind bei weitem nicht so verbreitet in den Gesellschaftsspielen wie Nullsumenspiele. Das kann man darauf zurückführen, dass der Mensch ein wettbewerbsorientiertes Wesen ist und insofern durch das Aufsuchen und möglichst erfolgreiche Absolvieren von Kompetitionen seinen Rang in einem Bezugssystem zu ermitteln sucht. Spiele, die auf Kooperation usw. beruhen, haben mich in der Tat auch weniger interessiert und sind auch weniger verbreitet. Aus meiner fernliegenden Kindheit erinnere ich noch ein Spiel, in welchem man gemeinsam mit den Mitspielern gegen das durch Würfelunglück heranziehende Unwetter ankämpfte, neueren Datums ist da ein Mittelerde-/Tolkienbrettspiel, in welchem die Gemeinschaft gegen den wiederum zufallsbetriebenen Sauron mit Kooperation und persönlichen Opfern sich entgegenwerfen kann (so opferte ich mich als Meriadoc heldenhaft und erlag der Versuch des Rings, wodurch meine Mitstreiter das Spiel ein wenig später verloren.)

    Ein weiterer Punkt wären Computerspiele (ebenso online), bei denen sich Gruppen finden und für einen bestimmten Zeitraum kooperieren, um einen nichtmenschlichen Gegner (ansonsten wäre es ein Nullsummenspiel) zu besiegen (metzeln?). Interessant wäre es dabei, wie dann die Bonifikationen (in Form von Erfahrung, Geld, Gold oder Gegenständen) verteilt werden und dann bei den Spieler Befriedigung oder auch Frust verursachen.

    Ich für meinen Teil schätze das Schach als Wettbewerb, der jedoch – da ich vom Schach glücklicherweise nicht zu leben brauche und auch kaum könnte – nicht allzu verbissen gesehen werden sollte.

  3. Die These, dass Nullsummenspiele bei Gesellschaftsspielen verbreiteter sind als Nicht-Nullsummenspiele, führt zu der Frage, wie Spiele, an denen mehr als zwei Parteien teilnehmen, klassifiziert werden. Davon gibt es doch auch eine ganze Menge. Beim Skat könnte man noch anführen, dass es bei jedem einzelnen Spiel zwei Parteien gibt. Aber was ist mit Brettspielen wie Siedler? Wessen Gewinne und Verluste sind miteinander zu vergleichen, um festzustellen, ob es sich um ein Nullsummenspiel handelt oder nicht?

  4. Mehrspielerspiele sind noch komplexer, weswegen sie dann auch weniger untersucht werden. :-)

    Gleichwohl kann man jetzt für Skat oder Siedler eine Matrix erstellen, indem man annimmt, dass um (Spiel-)Geld gespielt wird. Wenn also beim Skat der Alleinspieler gewinnt, wird ihm in der Verrechnung der Punktzahlen nach gängigen Zahlungsweisen eine Betrag von beiden Gegenspieler erstellt, genau andersherum ist es bei einem Verlust.

    Allerdings bleibt festzustellen, dass dies nicht unbedingt dem spieltheoretischen Überlegungen entspricht. Wenn man -beispielsweise bei “Stein, Schere, Papier” als Nullsummenspiel eine Gleichgewichtsstrategie spielen will, so muss der Anteil von jeder der drei Strategien genau 1/3 oder als Nicht-Nullsumenspiel im Gefangenendilemma keine Kooperation sein. Bei Spielen wie Schach, Skat oder Siedler sind jedoch die Informationen asymmetrisch verteilt und dazu noch unvollständig, darüberhinaus sind die Bewertungsfunktionen während einer Schachpartie beständigen Wechseln unterworfen. Insofern greifen die Überlegungen der Spieltheorie hier nur partiell.

  5. Voller Begeisterung und Überraschung darüber, welche Reaktionen ein simpler 3-Minuten-Morgen-Post hervorruft, will ich anmerken, dass sich der Originaltext auf die Vorstellung auf die (systemtheoretisch gesprochen) Glück/Unglück-Differenz bezieht und offenbar davon ausgeht, dass das Wohlgefühl des gewinnenden Spielers mit einem Nicht-Wohlgefühl des verlierenden Spielers einhergeht, mithin auf dessen Kosten erkauft ist und gesellschaftlich bilanziert keinen Zuwachs an Glück bedeutet.

    Vielleicht zu kurz gedacht, zumal ja auch der Gewinner kein Glücksgefühl erzielen muss, sondern vielleicht ein schlechtes Gewissen hat, weil er unverdient gewonnen hat oder gar Mitleid mit seinem Gegner empfindet.

    Mein Eindruck ist, dass der Erfolg von Go mit dieser Frage zusammenhängen könnte, aber dazu weiß ich auch darüber zu wenig. Bauen nicht beide an einer ästhetisch ansprechenden Formation auf dem Brett?

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