Die 6. Runde der Oberliga 2017/18 ist noch nachzutragen. Wir spielten gegen Oberschöneweide. Zum dritten Mal hintereinander gegen Ingo Stark, zum dritten Mal Weiß, zum dritten Mal Benoni. Unser Mini-Match stand 2-0 und ich ahnte, dass meine Glückssträhne nicht ewig anhalten würde.

Nachdem er zunächst alles bekommen hatte, wovon der Schwarze im Benoni träumt, konnte ich mich etwas herauswinden. Hier war klar, dass ich nicht warten konnte, bis er sich konsolidiert. Es roch nach einer Glanzpartie. Sieg oder Untergang!
26.e5! dxe5
26…fxe5 wurde in der Analyse vorgeschlagen, aber das verliert auch: 27.Lxg6 hxg6 (besser 27…exf4 28.Dh4 hxg6 29.Txe8 Txe8 30.Txe8+ Kg7) 28.Dxg6+ Kh8 29.Tg3! Der Turm sperrt die g-Linie, bevor die Dame Schach gibt. Schwarz wird matt.
27.Lxg6! exf4
Das sieht gefährlich aus (Turm, Dame und Läufer sind angegriffen), aber wie wir alle wissen, muss nach einem Doppelschach immer der König ziehen:
28.Lxh7++! Kxh7
28…Kh8 29.Dh4 fxe3 30.Le4+! Sperrt die Dame mit dem Abzugsschach aus und Schwarz wird sofort matt. An so etwas hatte ich im Sinne einer Glanzpartie gedacht.
29.Dh4+ Kg7 30.Dg4+
Es ist klar, dass Weiß die Qualität gewinnt, aber ich wollte noch ein zusätzliches Motiv schaffen (den gefesselten Springer). Praktisch wäre aber 30.Txe8 Txe8 31.Txe8 übersichtlicher und besser gewesen. Nach dem Textzug bekommt Schwarz nur noch eine Angriffsfigur.
30…Sg5
Bis hierher hatte ich vor meinem 26. Zug gerechnet. Die Stellung ist gewonnen, aber leider nicht vollkommen klar.
31.Txe8 f3!
Die beste Chance, sofort gespielt, ein giftiger Zug, der Weiß zuviel Auswahl lässt.
32.T1e7+
32.gxf3 Df2+ 33.Dg2 wäre einfach aus gewesen, aber ich wollte wahrscheinlich schön spielen und meinen 30. Zug rechtfertigen. So etwas ist immer eine schlechte Idee.
32…Kg6 33.Dxd4??
Blackout, noch immer ging 33.gxf3
33… cxd4

Auf einmal wurde mir klar, dass Weiß in großen Schwierigkeiten steckt. Der Freibauer auf d4 ist zwar noch drei Züge von der Umwandlung entfernt, aber zusammen mit dem zweiten Freibauern auf f3 (der verhindert, dass der weiße König einfach heranläuft), den tragisch verketteten weißen Türmen (der Turm auf e7 muss seinen Kollegen auf e8 decken und kann deshalb nicht eingreifen) und dem nur störenden Bauern auf d5, den man lieber nicht hätte (weil er verhindert, dass ein weißer Turm den schwarzen Bauern von hinten aufhält), ist er erstaunlich bedrohlich.
34.gxf3?
Der Sperrzug 34.g4 kam mir nicht wirklich in den Sinn. Nach 34…d3 35.Txf8! d2 ist 36.h4! kaum zu sehen, aber das Dauerschach nach 36.Tg8+ Kh6 37.Th8+ Kg6 38.Tg8+ hätte ich finden müssen. Ich wäre inzwischen mit einem Remis völlig zufrieden gewesen. 36.h4 gewinnt sogar: 36…d1D 37.h5+ Kh6 38.Txf6 matt. Ein Rechner hat natürlich keine Angst.
34…d3 35.Te3?
Der letzte Fehler. Obwohl mir klar war, dass dieser Zug hoffnungslos ist, suchte ich nicht nach Alternativen. Es war noch nicht zu spät für das Remis: 35.Txf8 d2 36.Tef7 d1D 37.Txf6+ Kg7 38.h4 Dd2+ 39.Kg3 Sh7 40.T8f7+ Kg8 41.Tf5 und Weiß hat genug Spiel und Material für die Figur.
35…Txe8 36.Txd3
Wenn nur der d5 nicht wäre!
36… Kf5
Und bald
0-1

Untergang.