Schachblätter

Fair Play (7)

Ich habe den Spar­ta Grand Prix bei The Big Greek mit­ge­spielt. The Big Greek ist Geor­gi­os Sou­lei­dis, frü­her ein Schach­blog­ger und inzwi­schen der erfolg­reichs­te deutsch­spra­chi­ge Schach­strea­mer auf You­tube und Twitch.

Ich muss­te mich über vier Ein­zel­tur­nie­re (Schnell­schach, sie­ben Run­den Schwei­zer Sys­tem) für das Ach­tel­fi­na­le qua­li­fi­zie­ren, in dem die bes­ten 15 Spie­ler und TBG gesetzt wur­den. Dort folg­ten noch­mal zwei Schnell­schach­par­tien mit 10+0. Im Fall von Gleich­stand wur­de ein Ste­chen über zwei Bul­let­par­tien mit 1+0 gespielt.

Die ers­te Schnell­schach­par­tie konn­te ich gewin­nen. In der zwei­ten Schnell­par­tie brach nach neun Zügen mei­ne Inter­net­ver­bin­dung zusam­men. Ich riss den Rou­ter aus der Steck­do­se, war­te­te ein paar Sekun­den, steck­te ihn wie­der ein und sah ihm beim Reboot zu. Nach fünf Minu­ten und vier­zehn Sekun­den war ich zurück in der Par­tie, auf der Uhr blie­ben noch knapp vier Minu­ten. Ich tipp­te Netz war weg in den Chat, mein Geg­ner igno­rier­te das und zog sehr schnell wei­ter. Ich hat­te kei­ne Zeit für wei­te­re Dis­kus­sio­nen, bekam einen rie­si­gen Angriff mit Gewinn­stel­lung, fand kei­nen sofor­ti­gen Tot­schlag und stell­te die Par­tie anschlie­ßend ein. Die ers­te Bul­let­par­tie war ein Trau­er­spiel, die zwei­te gab ich ent­nervt sofort auf.

Es gibt bei Lich­ess eine Funk­ti­on, mit der man sei­nem Spiel­part­ner mehr Bedenk­zeit schen­ken kann. Ich sprach mei­nen Geg­ner nach dem Match dar­auf an und er ant­wor­te­te, dass ich ihn schließ­lich nicht nach mehr Bedenk­zeit gefragt, son­dern statt­des­sen ein­fach wei­ter­ge­spielt hät­te. Sicher, alles geschah regel­kon­form, aber ich glau­be, dass ich mich im umge­kehr­ten Fall anders ver­hal­ten hät­te. Auf jeden Fall han­delt es sich um ein Pro­blem, das im Off­line­schach kei­ne Ent­spre­chung hat. Wie sol­len wir damit umgehen?

Kategorien: Marginalien

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3 Kommentare

  1. Auch im Nah­schach­be­reich kann jemand „Ver­bin­dungs­pro­ble­me“ bekom­men, etwa weil der Zug Ver­spä­tung hat. Und so wie das Wege­ri­si­ko der Arbeit­neh­mer trägt, ist auch das pünkt­li­che Erschei­nen am Brett das Risi­ko des jewei­li­gen Spie­lers. Wie soll man unter­schei­den kön­nen, ob jemand Pech gehabt hat, weil sein Auto nicht ansprang oder die Bahn nicht kam oder was auch immer, oder ob er schlicht ver­schla­fen hat?
    Im Online­be­reich sehe ich es so: Ich kann nicht sehen, ob jemand mit einem PC, einem Lap­top, einem Smart­pho­ne oder was weiß ich spielt. Ich weiß nicht, wie sta­bil sein Netz ist und wie hoch die Wahr­schein­lich­keit, dass das auch mal abbricht. Somit weiß ich auch nicht, ob er unver­schul­det aus der Lei­tung geflo­gen ist oder den Absturz selbst erzeugt hat. Klar, im vor­lie­gen­den Fall (nach neu­en Zügen) ist das eher nicht anzu­neh­men. Aber wo soll man da die Gren­ze zie­hen? Wenn ich es rich­tig mit­be­kom­men habe, gab es bei der „Online-Olym­pia­de“ (der Begriff ist natür­lich nicht kor­rekt, weil die Olym­pia­de den Zeit­raum zwi­schen zwei olym­pi­schen Spie­len bezeich­net) im Fina­le ein Pro­blem mit den Ver­bin­dun­gen, und die bei­den offe­nen Par­tien wur­den fak­tisch mit 1,5: 0,5 für Indi­en gewer­tet, obwohl sie nicht am Brett been­det wur­den; m.E. die fal­sche Ent­schei­dung der FIDE.

  2. Stefan

    18. September 2020 — 17:51

    Ich habe als Kind noch gelernt, dass man die Uhr erst anstellt, wenn der Geg­ner am Brett erscheint, aber das ist lan­ge her.

    Aber natür­lich, jede Rege­lung wür­de hau­fen­wei­se Abgren­zungs­pro­ble­me mit sich brin­gen, von daher ist es völ­lig legi­tim, Ver­bin­dungs­pro­ble­me zu Las­ten des­je­ni­gen zu wer­ten, der sie hat und da auch nicht frei­wil­lig die Uhr zurückzustellen.

  3. Im Nah­schach ent­schei­det im Zwei­fels­fall der Schieds­rich­ter, ob die Uhr zurück­ge­stellt wird… Vom Prin­zip her stim­me ich MiBu völ­lig zu: Im Online­be­reich gehen Pro­ble­me mit der Inter­net­ver­bin­dung grund­sätz­lich zu Las­ten des betrof­fe­nen Spie­lers, wenn nicht aus­drück­lich etwas ande­res ver­ein­bart ist (was völ­lig ok ist, aber vor­her geklärt sein muss).

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