Schachblätter

How To Beat An International Master In Chess (2)

Han­nes Leis­ner 2102
Jens-Ove Fries-Niel­sen 2430
27. Tra­ve­mün­der Open, 27.12.2010
B01 Skandinavisch
Kom­men­tar: Han­nes Leisner

1.e4
Nach­dem ich in der ers­ten Run­de gegen einen 14-Jäh­ri­gen nach­sit­zen muss­te (natür­lich im 41. den Zug ein­ge­baut, der die Par­tie noch mal span­nend mach­te) spül­te mich die Paa­rung in der 2. Run­de an Brett 7 gegen den däni­schen IM Jens-Ove Fries-Nielsen.

1…d5
Natür­lich Skan­di­na­visch, auf 1.e4 mei­ne abso­lu­te Hass­eröff­nung. Ich ver­mu­te mal, dass mein Geg­ner auf dem Gebiet auch nicht so der Exper­te ist, da er in den anschlie­ßen­den Run­den noch wei­ter herumexperimentierte.
2.exd5 Dxd5 3.Sc3 Dd6
Dazu auch die­se fle­xi­ble Vari­an­te, in der Schwarz meh­re­re Mög­lich­kei­ten besitzt sich zu entwickeln.
4.Sf3 Sf6 5.Lc4 Lg4
Der Damen­läu­fer kann auch via a6,b5 nach b7 ent­wi­ckelt wer­den, aber mein Geg­ner bevor­zugt die klas­si­sche Aufstellung.
6.h3 Lh5 7.d4 Sbd7 8.Le3 e6 9.g4 Lg6 10.De2
Bei 9.g4 hat­te ich nun eigent­lich 10.Dd2 geplant, doch nach 10…Se4 11.Sxe4 Lxe4 ste­hen der Sf3 und Th1 auf der gefähr­li­chen Dia­go­na­len. Der Zug ist trotz­dem gut, da er die lan­ge Rocha­de vor­be­rei­tet und even­tu­ell sogar d5 oder Sb5 in der Luft liegt, was mein Geg­ner mit fol­gen­dem Zug verhindert.
10…c6 11.0–0–0 Sd5!?

leisner1
r3kb1r/pp1n1ppp/2pqp1b1/3n4/2BP2P1/2N1BN1P/PPP1QP2/2KR3R w kq – 0 12

Der Zug hat mich über­rascht, ich rech­ne­te eher mit 11…Sb6, 11…Le7 oder sogar 11…b5. Das Feld d5 ist nor­ma­ler­wei­se Vor­pos­ten für schwar­ze Figu­ren im Skan­di­na­vi­er. Wahr­schein­lich hat­te sich mein Geg­ner Angriffs­chan­cen auf der c‑Linie ver­spro­chen. Noch dazu bleibt er in der Ent­wick­lung zurück.
12.Sxd5 cxd5 13.Lb5!? a6 14.Ld3
14.Lxd7+ Dxd7 15.Se5 war der ursprüng­li­che Plan, aller­dings gefiel mit die wei­ße Stel­lung nach 15…Da4 nicht mehr so gut, da ich auf dem schlech­ten Läu­fer sit­zen blei­be und Schwarz Gegen­chan­cen am Damen­flü­gel erhält
14…Tc8 15.Kb1
Geht aus der c‑Linie, ich hat­te auf even­tu­el­les Schla­gen auf d3 cxd3 geplant, um die wei­ßen Fel­der (c4, e4) zu stärken.
15…Sb6 16.Se5
Den nächs­ten schwar­zen Zug hat­te ich vorraus­ge­se­hen und auch die dar­auf­fol­gen­de klei­ne Kombination.
16…Sa4?

leisner2
2r1kb1r/1p3ppp/p2qp1b1/3pN3/n2P2P1/3BB2P/PPP1QP2/1K1R3R w k – 0 17

Stellt ein­fach einen Bau­ern ein.
17.Lb5+! axb5 18.Dxb5+ Tc6 19.Sxg6
Wich­tig, da sonst c2 hängt.
19…Sc3+
Wegen die­ses Zuges, den ich auch in der Berech­nung gese­hen hat­te, zöger­te ich etwas mit mei­nem 17. Zug. Aller­dings kann Schwarz den zer­stör­ten wei­ßen Damen­flü­gel nicht aus­nut­zen, da er noch selbst in der Ent­wick­lung zurückliegt.
20.bxc3 hxg6 21.c4!
Linienöffnung!
21…Le7
21…dxc4 22.d5 exd5 23.Txd5 hat­te ich auch berech­net und trotz der Mög­lich­keit des Damen­tau­sches als gut für mich befunden.
22.c5
22.cxd5 exd5 emp­fand ich dann als zu luftig.
22…Dc7 23.Td3 0–0 24.Tb3 Tb8 25.h4!

leisner3
1r4k1/1pq1bpp1/2r1p1p1/1QPp4/3P2PP/1R2B3/P1P2P2/1K5R b – - 0 25

Ganz klas­sisch: Das Prin­zip der zwei Schwä­chen. Ein ande­rer schi­cker Plan ist f3 mit der Idee Le3-g1–h2.
25…e5 26.c3 Ld8!?
Es wäre wohl bes­ser gewe­sen, 26…e4 zu spie­len, um mei­nen Läu­fer schlecht zu lassen.
27.h5 g5 28.Ka1
Räumt b1 für den Turm und geht even­tu­el­len Damen­schachs auf e4 aus dem Weg.
28…Ta6?!
Gibt zusam­men mit 26…Ld8 mir das Feld e8. Ich hat­te aber noch nicht gese­hen, wie ich das aus­nut­zen könnte.
29.h6 gxh6 30.dxe5
Nun kann sich mein Läu­fer auf die lan­ge Dia­go­na­le bewe­gen, hält alles zusam­men und greift noch beherzt mit ins Spiel­ge­sche­hen ein.
30…Tba8 31.Tb2 Dxe5 32.Ld4 De4 33.Thb1 Lc7 34.Te2 De6!
Hält auf tak­ti­sche Wei­se die Stel­lung noch zusammen.
35.Tbb2
35.Txe6?? Txa2#
35…Dc6 36.Dd3
Ich weiß gar nicht mehr ab wel­chem Zug, aber mein Geg­ner befand sich in extre­mer Zeit­not. Dar­um beschloss ich, die Damen auf dem Brett zu las­sen. 36.Dxb7? Txa2+!
36…Lf4 37.Df5 Te8 38.Df6!

leisner4
4r1k1/1p3p2/r1q2Q1p/2Pp2p1/3B1bP1/2P5/PR2RP2/K7 b – - 0 38

Ein net­ter Qual­len­ge­winn zum Schluss. Mit nur noch 10 Sekun­den auf der Uhr über­schritt mein Geg­ner die Zeit. 38…Dxf6 39.Txe8+ Kg7 40.Lxf6+ Txf6 41.Txb7 – das hät­te ich mir auch gegen einen IM zugetraut
1–0

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11 Kommentare

  1. Eigent­lich eine unspek­ta­ku­lä­re Par­tie, in der Weiß ein­fach bes­ser gespielt hat.
    @Hannes: Wel­che Züge sind dir am schwers­ten gefallen?

  2. Gera­de gegen einen IM eine »unspektakuläre« Par­tie zu gewin­nen, macht die Klas­se aus: Glück­wunsch Han­nes! Die­se Par­tie wird bei SF Schwe­rin Grund­la­ge aller Vor­be­rei­tun­gen auf die nächs­te Run­de in der Oberliga…:-)

  3. »How to beat–…« – schlicht, indem der Titel­trä­ger (unpro­vo­zier­te) Feh­ler macht.

  4. Stefan

    17. Januar 2011 — 13:54

    Bei mir ist es immer umgekehrt.
    @ElNino: Ich erwar­te eine ordent­li­che Vor­be­rei­tung von euch, immer­hin hat euer Abschnei­den Aus­wir­kun­gen auf die Zahl der Abstei­ger eine Eta­ge tiefer. 

  5. @ Ste­fan: Ich weiß, ich weiß- schwer genug ist’s bei dem Rest­pro­gramm alle­mal! Aber wir geben die Hoff­nung in Schwe­rin nie auf…

  6. Ja, das stimmt, die Par­tie ist (lei­der) nicht sehr spek­ta­ku­lär, aber Ste­fan woll­te sie sehen und bevor ich sie beim Ver­eins­abend immer und immer wie­der zum Bes­ten gebe, dach­te ich mir, dass hier ein viel bes­se­rer Ort dafür sei. Bei wel­chen Züge habe ich mich schwer getan? 2.exd5 (ich hat­te kurz an 2.Sc3 über­legt). Gene­rell habe ich an den ers­ten 10 Zügen rela­tiv lan­ge über­legt, immer im Hin­ter­kopf, dass dort viel­leicht ein Ken­ner sitzt, der mit sei­ner Erfah­rung mei­ne Zug­fol­gen sonst­wie aus­nut­zen könn­te. Dass mein Geg­ner von der Stellung/Eröffnung auch kei­nen rich­ti­gen Plan hat­te… hin­ter­her ist man immer schlau­er. Ansons­ten habe ich mich am Brett über 13.Lb5 geär­gert, dass ich ihm mit 13…a6 ein Tem­po geschenkt hat­te (obwohl nach­her genau das den Bau­ern gewann). Den Rest der Par­tie hat mir mein Geg­ner auch in die Hän­de gespielt, mein Läu­fer griff gut ins Spiel ein, etc. Wie schon gesagt, nicht sehr spek­ta­ku­lär, mal gucken ob ich in Zukunft irgend­wo noch einen IM bekomme…

  7. Cha­peau!

  8. @ Ste­fan: »…immerhin hat euer Abschnei­den Aus­wir­kun­gen auf die Zahl der Abstei­ger eine Eta­ge tiefer.…« Ja, nach dem Auf­tritt ges­tern in Preetz sehe ich jetzt in der Tat Aus­wir­kun­gen kom­men: Denn da ste­hen mit Stral­sund (8.) und Uni Ros­tock (10.) denn gleich zwei Tra­di­ti­ons­teams vor dem Sturz…Aber die Hoff­nung stirbt ja bekannt­lich immer zum Schluß:-o

  9. …vor allem, wenn man noch gegen den aktu­el­len Erst- und Zweit­plat­zier­ten anzu­tre­ten hat…

  10. @HL Glück­wunsch zu ers­ten Nie­der­la­ge als ML;-)
    Nein, Spaß bei­sei­te: Die nächs­ten bei­den Run­den sind qua­si für die Gale­rie, denn die bei­den Mann­schaf­ten, die kom­men, wol­len bei­de auf­stei­gen, sind einen MP getrennt und spie­len in der letz­ten Run­de gegen­ein­an­der. Und da steht SF Schwe­rin nun wört­lich und tat­säch­lich nur im Weg…Gut ist aber, dass SF im Zwei­fel immer mal wie­der gewin­nen konn­te, schlecht ist: in den letz­ten bei­den Run­den pas­sier­te immer das Glei­che: Die ers­te Zeit­not ist rum, ich ste­he auf, sehe, die ers­ten Bret­ter sind fer­tig, ich gehe zum Schi­ri-Tisch und dies­mal stand es 1–4 (gegen Pin­ne­berg stand es 1–5) Und ges­tern hat­ten wir defi­ni­tiv kei­ne Gewinn­stel­lung auf einem der letz­ten drei Bret­ter, ich sel­ber kann von Glück sagen, dass ich am Ende Remis gehal­ten habe (wie gegen Pin­ne­berg). Naja, nach dem Wochen­en­de bei der Damen­bun­des­li­ga ken­ne ich ja zumin­dest schon den Weg nach Torgelow…:-o

  11. Moin­moin,

    sehr sehr hüb­sche Par­tie, hat mir gut gefal­len! Die klei­ne Kom­bi mit Lb5+ und Sc3+ war sehr ele­gant, und dann auch sau­ber zu Ende gespielt, mit Spiel auf bei­den Flügeln.
    Man­che mögen sagen, dass es unspek­ta­ku­lär war, aber – so muss man erst mal gegen einen IM zu Ende spie­len. Glückwunsch!

    An das Blog-Team: Sym­pa­thi­sche Seite!

    Tiger-Oli

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