Schachblätter

Neutral

Diese unscheinbare Aufgabe ist vor ein paar Wochen in der Problemzeitschrift Gaudium erschienen und hatte ein trauriges Schicksal: Sie wurde nicht gelöst. Das kann auch an den ungewöhnlichen Randbedingungen liegen, die wie folgt lauten:

1) Hilfspatt in fünf Zügen: Schwarz zieht an und Weiß setzt den Schwarzen mit seinem fünften Halbzug patt.

2) Ohneschach: Es darf kein Schachgebot gegeben werden, auch nicht zur Pattvermeidung.

3) neutraler Stein: Ein Stein, der gleichzeitig zu Weiß und zu Schwarz gehört. Jede Partei kann einen neutralen Stein ziehen. Jede Partei kann (auch mit einem neutralen Stein) einen neutralen Stein schlagen. Ist Weiß am Zug, zieht ein neutraler Bauer in dieselbe Richtung wie ein weißer Bauer; ist Schwarz am Zug, zieht ein neutraler Bauer in dieselbe Richtung wie ein schwarzer Bauer. Neutrale Bauern wandeln sich in neutrale Figuren um – nach Wahl der ziehenden Partei.

Knoten im Gehirn? Schaffen wir die Lösung?

Kategorien: Schachaufgaben

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11 Kommentare

  1. Nun ja, ich kann das beredte Schweigen der Gaudium-Leser nachvollziehen – wie soll denn ein Patt mit neutralen Steinen funktionieren? Immerhin habe ich eine mögliche Aufstellung gefunden – der sK geht nach g8 und der wK nach g6, durch die doppelte Blockade kann der Bg7 nicht ziehen und der sK ist patt. Leider hat der Autor noch den Bc4 hingestellt…!

  2. Ich hab‹ nur den Satz »Schwarz zieht an und Weiß setzt den Schwarzen mit seinem fünften Halbzug matt« gelesen und nicht das vorangehende »Hilfspatt in fünf Zügen«. Ich bin also aufgabentechnisch gut verwirrt, denn Patt oder Matt ist nicht unwesentlich.

    Die Aufsetllung von MiBu mit sKg8, wKg6 und neutraler Bauer g7 ist kein Patt, denn der Bauer hat laut Regel 3) immer die Farbe der Partei, die am Zug ist. Schwarz kann also Kh8/f8 spielen. Danach wäre Weiß am Zug und der sK stünde im Schach…Fragezeichen und Schweigen…???

  3. Stefan

    6. Oktober 2020 — 21:47

    @LowScore: Ich bitte um Entschuldigung für die Verwirrung! Ich habe die Aufgabenbeschreibung unter dem Diagramm korrigiert.

    Neutrale Figuren sind nicht gerade intuitiv. Ich verstehe das so, dass sie eine doppelte Funktion haben. In einer Stellung mit etwa wKe5, nBf5, sKg7 wäre f5-f6 ein Doppelschach. Der Bauer ist zunächst weiß und gibt dem schwarzen König ein Schach und danach durch den Wechsel des Zugrechts schwarz, wodurch auch der weiße König im Schach steht. Mit der Zusatzbedingung »Ohneschach« wäre dieser Zug deshalb zweifach illegal.

    Ich könnte die Aufgabe selbst nicht lösen. Als Hilfestellung deshalb der Hinweis, dass der schwarze König nicht bewegt wird. Wie schafft man es, nicht nur den sKh4, sondern auch beide neutralen Steine stillzulegen? Es ist ein kleines Kunstwerk!

  4. Der Hinweis, dass der schwarze König auf h4 stehen bleibt, war sehr hilfreich!

    Ein neutraler Bauer auf g6 ist im Sinne eines Patts günstig: Der schwarze König kann nicht nach h5 (dort stünde er nach dem Zug im Schach) und Schwarz kann den Bauern werden der »Ohneschach«-Regel auch nicht nach g5 vorziehen.

    Ein neutraler Springer auf g1 ist im Sinne eines Patts ebenfalls gut: Der schwarze König kann nicht nach h3 und der Springer selbst kann nicht nach f3. Dann muss nur noch der weiße König nach f4: Das schließt die beiden verbleibenden Springerzüge aus (wegen Schachs) und nimmt dem schwarzen König die restlichen Felder (g3, g4, g5).

    Ich denke, so müsste es gehen:
    1. … c3 2. Ke2 c2 3. Ke3 c1,S 4. Se2 Sg1 5. Ke5 g6 6. Kf4

  5. Wow und danke für die Lösungserklärung. Mit 5.Ke4 ist das in der Tat ein schickes Ohneschach-Neutralfiguren-Hilfspatt.

  6. Stefan

    6. Oktober 2020 — 23:34

    Das ist fast richtig (Glückwunsch!), aber es bleibt einzuwenden, dass ein neutraler Bauer auf g6 den schwarzen König nicht daran hindert, am Ende der Variante h5 zu betreten. Dort steht er nicht im Schach, weil anschließend Weiß am Zug ist und der Bauer sich deshalb wie ein weißer Bauer verhält – der auf h7 schlagen könnte, aber nicht auf h5.

  7. (Bauer g6) Ah, schade, dann hatte ich das missverstanden.

    [Und ja, 5. Ke4 sollte das heißen, danke @LowScore.]

  8. Das heißt, dass ein neutraler Bauer auf g4 den schwarzen König daran hindern würde nach h5 zu ziehen. Und nach @Stefans letzten Erläuterungen ist es kein Schach, wenn Schwarz irgendwann den Bauern nach g5 zieht. Der Bauer kann also nach g4 gelangen. Er kann dann von Schwarz nicht mehr nach g3 gezogen werden.

    Also der zweite Versuch:
    1. … c3 2. Ke2 c2 3. Ke3 g5 4. g4 c1,s 5. Se2 Sg1 6. Kf4

  9. Stefan

    7. Oktober 2020 — 09:23

    Jetzt müssen nur noch die Züge in die richtige Reihenfolge gebracht werden, damit alles zugrein wird. Weiß am Zug kann jedenfalls nicht g5-g4 spielen.

    Ich bin kurz davor, ein Schachbrett aufzubauen :)

  10. Huch, stimmt ;)

    Also muss Schwarz alle Bauernzüge machen. Erst die drei Züge mit dem c‑Bauern, dann die beiden mit dem g‑Bauern. Und Weiß zieht erst den König von d1 über e2 nach e3, dann den gerade aufgetauchten Springer von c1 über e2 nach g1, um dann im letzten Zug mit Kf4 patt zu setzen. (Oder stimmt da auch wieder etwas nicht?)

  11. Stefan

    7. Oktober 2020 — 17:18

    Mal gucken!

    Mit Steckschach und Hilfspatt-Notation:

    1.nBc3 wKe2 (sonst würde der nächste schwarze Zug ein Schach geben)
    2.nBc2 wKe3
    3.nBc1nS nSe2 (kein wKf4, weil sonst nBg5 ein Schach geben würde)
    4. nBg5 nSg1
    5.nBg4 wKf4 = (alle acht schwarzen Züge wären illegal)

    Also alles richtig!

    Das Konzept der neutralen Figuren finde ich interessant. Es erinnert mich ein bisschen an Yoko Ono. Darauf werden wir vielleicht noch einmal zurückkommen. Danke für das Miträtseln!

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