Out Of Dresden (2)

Wir steigern in dieser Serie etwas das Spielniveau. In der fünften Runde der Schacholympiade verteidigte Leko (Ungarn) sehr lange ein Endspiel Turm, Springer und zwei Bauern gegen Turm, Läufer und drei Bauern gegen Ivanchuk (Ukraine). Irgendwann wickelte Ivanchuk in dieses remise Endspiel ab.

lekoivanchuk.jpg

Wir hatten das Thema schon einmal. Lekos Beispiel zeigt, dass das Endspiel unter praktischen Bedingungen sehr schwer zu verteidigen ist.

119.Th2 Ta1+ 120.Kf2 Kf4 121.Th8 Ta2+ 122.Ke1 Te2+ 123.Kf1 Kg3 124.Td8?
124.Tf8! ist, warum auch immer, der einzige Zug, der remis hält — 124…Te3 125.Kg1
124…Te3!
Der, warum auch immer, einzige Gewinnzug.
125.Tg8 Te7 126.Tg5 Th7 127.Ke1 Td7
Und Aufgabe Weiß.

Kann jemand ein paar sachdienliche Hinweise zu diesem Schluss-Spiel geben? Hätte Weiß den Turm besser gleich mit 119.Th8 auf die 8. Reihe bringen sollen? Was ist eigentlich das Problem bei 124.Td8? Danke im Voraus.

11 Gedanken zu „Out Of Dresden (2)“

  1. Über den Sinn und Unsinn, solche Endspiele weiterzuspielen, will ich hier nicht eingehen: ‘Chucky’ wollte bzw. musste für die Ukraine gewinnen und er hat gewonnen! Aber ist die neue Bedenkzeit dem Sinne von “Schach als Sport” nun dienlich oder eher nicht? “2 h für 40 Züge, dann 15 min Rest und zuzsätzlich 30 sec. pro Zug”, hat das schon mal jemand gespielt, kann man das unter Turnierbedingungen irgendwo mal testen usw.?

  2. Ich halte es nicht für ehrenrührig, dieses Endspiel weiterzuspielen. Die Verteidigung ist nicht trivial und die Liste der Opfer selbst mit GM-Titel lang.

    Eine Bedenkzeitregelung sollte m.E. vor allem dem Zweck dienen, vernünftige Partien zu ermöglichen. Und dazu gehört es, es den Spielern zu ermöglichen, über ein Endspiel ordentlich nachzudenken. Deswegen finde ich eine Zeitkontrolle nach dem 40. Zug sehr vernünftig, aber danach sollte es einen geräumigen Zuschlag geben. Zeitgutschriften pro Zug halte ich in der späteren Partiephase auch für angezeigt, um ein “Totdrücken” zu vermeiden — übrigens im Sinne beider Spieler.

    Also am besten 2 Stunden/40 Züge + 60 Minuten/20 Züge + 15 Minuten und 15 Sekunden Zuschlag pro Zug für den Rest.

  3. Der letzte Vorschlag entspricht doch in etwa dem vom Bonner WM-Kampf, oder?!
    Wie wird in Dresden gespielt? 90 Minuten + 30 Sek./Zug, richtig?

    Am einfachsten ist dieses Endspiel durch die “2. Reihe-Verteidigung” zu halten.
    Leko hätte den Turm auf h2/ g2 halten soll, damit bei Turmschach und Königszug auf die 1. Reihe sofort TxT droht.

  4. Also ich finde es keineswegs ehrenrührig, zu testen, ob der Gegenspieler in der Lage ist, unter Druck den Remisweg zu finden. Immerhin hat Schwarz sich während der Partie Vorteile erarbeitet, die jetzt eine ganze Figur mehr ausmachen, da hat er m.E. auf alle Fälle das (moralische) Recht (und bei dem Stand des Mannschaftskampfes sogar die Pflicht!), eben gerade weil es nicht trivial ist, dies zu verteidigen, hier seinen Gegner auszutesten – schon das Ergebnis bestätigt mir meine Auffassung.

    Ich finde, dass es im SchachSport (da haben wir das Thema wieder ;-) ) legitim ist, auf alle Schwächen des Gegners zu spielen, dazu gehört nun mal auch mangelnde Endspieltechnik oder schlechte Zeiteinteilung.

  5. Habe gerade ein bisschen die Olympiadeseite durchsucht, um den Bedenkzeitmodus herauszufinden, leider ohne Erfolg. Die Übertragung der Partien läuft gut, finde ich, die Navigation der Seite ist aber berbesserungsfähig.

    Auf jeden Fall gibt es einen Zuschlag pro Zug und 30 Minuten extra nach dem 40. Zug.

  6. Also, was die Regeln angeht bei der Olympiade angeht, hat es in der Tat schon mehrere Kritiken gegeben, dass da nichts auf der Homepage steht. Ich habe mich “durchgewühlt” und irgendwo schlug jemand das Handbuch der Olympiade vor: http://www.fide.com/info/handbook?id=94&view=article; unter Punkt 7.5 steht die (neue, im Moment mal wieder gültige) Bedenkzeit! Alternativ kann man über den Deutschlandcup gehen; lt. Ausschreibung findet der auch mit der neuen Bedenkzeit statt! Und die WM fand nach den “nicht ganz so klassischen Regeln” statt: Also 2h/40Züge+1h/20 Züge+15min Rest, ab dem 61.Zug 30 Sekunden für jeden Zug extra (steht hier: http://www.uep-chess.com/cms_german/index.php?option=com_content&task=view&id=17&Itemid=14). Was für ein Wirrwarr!!

  7. Beim Zuschauen hatte ich aber eher den Eindruck, dass es nicht nur 15, sondern 30 Minuten extra nach der Zeitkontrolle gibt.

  8. Ich werde nie behaupten, bei der FIDE irgendetwas zu verstehen! Wie war das noch in der 2.Runde mit “Spielbeginn 15. 00 Uhr”?

  9. Ein Wirrwarr, fürwahr.

    2 Stunden für 40 Züge, danach 1 Stunde für 20 Züge, bis zum Schluss der Partie.
    Das einzig Wahre.

  10. Das Problem bei 124.Td8? ist einfach, dass es verliert; die Antwort 124…Te3 verhindert das Seitenschach auf d3 und droht zweizügig Matt, so dass 125.Tg8 erzwungen ist. Jetzt allerdings darf der weiße Turm die g-Linie nicht verlassen, so dass Weiß gegen das in der Partie gezeigte Manöver …Te7-h7-d7 wehrlos ist. Der Unterschied bei 124.Tf8 besteht darin, dass nach 124…Te3 eben nicht 125.Tg8 erzwungen ist, sondern 125.Kg1 geht, da nun nach 125…Te1+ der Turm dazwischenziehen kann.
    Meine unqualifizierte Meinung: Leko hätte sich für eine der beiden bekannten Remisverteidigungen (Cochrane oder zweite Reihe) entscheiden und diese konsequent beibehalten sollen; nachdem er 119.Th2 gewählt hatte, wäre es logisch gewesen, die “Zweite-Reihe-Verteidigung” auch mit 121.Tg2 beizubehalten (natürlich mit der bekannten Pointe 121…Lh3 122.Th2 Ta3 123.Kg1 Kg3 124.Tg2+).

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