Short Cuts (2)

In der 4. Runde der C-Gruppe in Wijk aan Zee bekam Stellan Brynell heute gegen Michal Krasenkow nach 66 Zügen dieses Endspiel auf das Brett. Es macht sicher keinen Spaß, unter aller Augen den Nachweis zu erbringen, dass man diese Stellung gewinnen kann. Ich erinnere mich dunkel, dass Alexei Troizki mal eine Zick-Zack-Linie entwickelt hat, die der schwarze Bauer nicht überschritten haben darf, bevor ihn ein Springer blockiert. Der andere Springer soll dann zusammen mit dem eigenen König den schwarzen König an den Rand drängen, der Blockadespringer eilt herbei und setzt gerade noch rechtzeitig matt, bevor der zur Dame gewordene Bauer Schaden anrichten kann. Soweit die Theorie. Stellan ist dieses Kunststück leider nicht gelungen. Im 123. Zug musste er die schwarze Dame schlagen – Remis.

Falls jemand von euch eine 5-Steiner-Datenbank hat, wäre ich für eine Auflösung dankbar.

6 Gedanken zu „Short Cuts (2)“

  1. Bei korrektem Spiel setzt Weiß in 41 Zügen matt.

    siehe hier.

    Eigentlich eine Traumstellung für den versierten Fernschachspieler…

    beste Grüße vom Schachneurotiker

  2. Man sollte einen Halbzug früher aufsetzen, denn nach dem letzten schwarzen Zug 66.- a6 gewinnt Weiß erstaunlicherweise am schnellsten: #54 nach Kg5, #49 nach Kg7, #47 nach Kh6 und #41 nach a6. Das Matt in 41 erreicht Weiss in der Diagrammstellung mit 67. Se4, wie auch in der Partie geschehen. Danach verkürzte Schwarz mit 67.- Kg7 (anstatt Kh5) auf #25, worauf sich Weiss mit 68. Kf5 (anstelle von Sd6, wie leicht zu sehen ist) und #41 revanchierte. Weiss hat danach keine allzu grossen Fortschritte gemacht, denn genau die gleiche Stellung entstand nach 114.- Kg7 erneut, woraufhin wieder Kf5 folgte. Leider verraten einem aber auch die Fünfsteiner-Datenbanken keinen strukturierten Gewinnplan…

  3. Für Stellungen mit bis zu sechs Steinen (inkl. Könige) bietet shredderchess eine sehr schöne Online-Abfrage an:

    Es geht dort aber nur schrittweise sozusagen, also eine Stellung nach der anderen. Zur bequemen schnellen “Erzeugung” einer kompletten Gewinnvariante aus den Tablebases müßte man die Stellung in einem Schachprogramm automatisch ausspielen lassen. – Ich habe leider nicht alle Fünfsteiner installiert, nur T?-T.

    Der englische Wikipedia-Eintrag zur Troitzky-Linie stellt fest, daß diese die 50 Züge-Regel nicht berücksichtigt, wie die Tablebases übrigens auch nicht. Es gibt demnach eine zweite Linie, die auf Analysen von GM Karsten Müller zurückgeht und dort ebenfalls dargestellt ist (darunter).

    (der Eintrag hat am Ende Links zu zwei Chesscafe.com-Artikeln dazu)

  4. Die Gewinnregel hat Troitzky erstmals in Deutsche Schachzeitung 1906 vorgestellt. Das “Zickzack” besagt, dass der Bauer (nehmen wir mal Schwarz an, mit Weiß wäre es umgekehrt) höchstens auf a4 (b6,c5,d4,e4,f5,g6,h4) stehen darf, von einem Springer blockiert ist und dieser im Falle eines Angriffes durch den schwarzen König gedeckt werden kann. Dabei ist es unerheblich, ob der König oder der Springer die Deckungsfunktion übernimmt. Danach gibt es drei Phasen der Gewinnführung, wobei man den König in konzentrischen größerwerdenden Kreisen in die Ecke drängt und dann, wenn man´s kann, mattsetzt. Hat der Bauer die Demarkationslinie überschritten, ist es oft Remis, weil es einen großen Sicherheitsbereich für den bedrägten König gibt, aus dem man ihn kaum herausjagen kann. Das Ganze kann man nachlesen und studieren im Cheron, Band 2, S.220-250.
    In meiner Jugendzeit (kurz nach dem Westfälischen Frieden) mussten wir das mal bei Ernst Bönsch üben, weil man damals (was waren das noch für schöne Zeiten) in solchen Endspielen (auch bei Turm gegen Läufer und Bauern) bei der gerade erfundenen 50-Züge-Regelung beim Schiedsrichter das Vorhandensein einer theoretischen Ausnahme reklamieren konnte. Damals konnten vielleicht die Schiedrichter noch Schach spielen.
    Kurioserweise gibt es von Troitzky auch eine Studie mit einem Bauern auf a6. Die ist aber komplizierter und dauert über 150 Züge. Was soll´s : Ein halber Punkt ist es so oder so.

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