Tarraschs Abgang

1928 spielte Siegbert Tarrasch die letzten Turnierpartien seines Lebens. Beim Berliner Turnier verlor er die ersten drei Runden und stieg danach aus dem Turnier aus, um die Jahre bis zu seinem Tode größtenteils in München zu verbringen, von wo aus er „Tarraschs Schachzeitung“ herausgab. Hier nun die letzte seiner Partien aus der Wettkampfpraxis, bei der er 66 Jahre alt war.

Rubinstein – Tarrasch
Berlin, 1928
D06 Damengambit

1.c4 c5 2.Sf3 Sf6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 d5 Aus der Englischen Partie ist nun ein Abspiel des Damengambits geworden. 5.cxd5 Sxd5 6.e4 Sf6 7.Sc3 e5 8.Sdb5 Dxd1+? Der Tausch ist verfehlt, wie das folgende Endspiel zeigt. Tarrasch hätte 8…a6 spielen sollen, wonach Weiß nicht gut die Damen tauschen kann, weil dann der Sb5 nach a3 zurück müßte. 9.Kxd1 Sa6 10.f3 Lc5 11.Sa4 Le7 12.Le3 Ld7 13.Tc1 0-0 14.a3 Tfd8 15.Ke1 Se8 16.Le2 Sd6 17.Sac3 Sxb5 18.Sxb5 b6 19.b4 Le6 20.Kf2 Td7 21.Thd1 Txd1 Auf 21…Tad8? wäre 22.Txd7 Txd7 23.Tc8+ Ld8 24.Sxa7 gefolgt. Durch den Damentausch ist Schwarz in eine schlechte Lage geraten. Rubinstein nützt jetzt den Eröffnungsfehler seines Gegner in vorbildlicher Weie aus. 22.Txd1 Kf8 23.g3 Ke8 24.f4 f6 25.fxe5 fxe5 26.Lc1 Lc8 27.Lb2 Lf6 28.Sd6+ Ke7 29.Sc4 Zerstört die letzte Hoffnung des Schwarzen. Bei 29.Sxc8+ Txc8 30.Lxa6? würde Tarrasch nach Tc2+ nebst Txb2 noch auf Ausgleich spekulieren können. 29…Ke6

30.Sxe5! Eine hübsche kleine Kombination! Es fällt nun der wichtige Zentrumsbauer, wonach die schwarze Stellung jeden Halt verliert. 30…Sc7 Auf 30…Lxe5 würde 31.Lc4+ Kf6 32.Td6+ nebst Lxe5 folgen. 31.Lc4+ Ke7 32.Sc6+ Kf8 33.Lxf6 gxf6 34.Td8+ Se8 Nach 34…Kg7 folgt 35.Tg8+ Kh6 36.Sd8 Lg4 37.Sf7+ Kh5 38.Txg4! Kxg4 39.Le2+ Kh3 40.Kg1 und gegen die Drohung 41.Sh6 nebst Lf1 matt gibt es keine vernünftige Abwehr. 35.b5 Lb7 36.Td7 Lxc6 37.bxc6
1-0

Kommentare aus Helmut Wieteck: Schach-Mekka Berlin in den Roaring Twenties (1995)

Ein Kommentar

Werner Berger 31. Juli 2010

Wieder einer der zahllosen Irrtümer des Helmut Wieteck. Die „letzten Turnierpartien seines Lebens“ spielte Siegbert Tarrasch nicht in Berlin 1928, sondern erst im Jahre 1932, in dem er an Turnieren in Bad Nenndorf und in München nicht nur teilnahm, sondern beide Male den 1. Preis gewann.

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