Schachblätter

Wer scheißt, ist verdächtig

Ange­sichts des Falls Fal­ko Bind­rich lässt Chess­ba­se-Redak­teur André Schulz sei­nen Ãœber­wa­chungs­phan­ta­sien frei­en Lauf (Ach­tung, nicht mit vol­lem Magen lesen!):

Wer in den Bewe­gungs­sport­ar­ten die Doping­pro­be ver­wei­gert, gilt als gedopt. Zurecht. Denn der ein­zi­ge Grund, eine sol­che Pro­be zu ver­wei­gern, ist der Umstand, dass der Sport­ler befürch­tet, dass man bei ihm Hin­wei­se für Doping fin­det. Die­ser Grund­satz wird nun auch im Schach ange­wandt. Wer die Her­aus­ga­be sei­nes Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­rä­tes ver­wei­gert, dem wird unter­stellt, dass dort Hin­wei­se für einen Betrug zu fin­den sind.

Die Vor­stel­lungs­kraft des Redak­teurs reicht hier nicht sehr weit. Statt­des­sen for­dert er ganz unhys­te­risch die Wie­der­ein­füh­rung des Prangers:

Die Falsch­spie­ler müs­sen genannt wer­den, um die ande­ren zu schüt­zen, aber auch, um jede Form von Hys­te­rie zu vermeiden.

Ist klar. Immer­hin, wenn die Kör­per­funk­tio­nen vor Auf­re­gung zuneh­men, ist Herr Schulz großzügig:

Schach­spie­ler, die (…) tat­säch­lich ein­mal unpäss­lich sind und häu­fig auf Toi­let­te ver­schwin­den müs­sen, soll­ten nicht in fal­schen Ver­dacht geraten.

Das kann der Schieds­rich­ter dann ja auf­grund der Toi­let­ten­ge­räu­sche nach­prü­fen.

Kategorien: Marginalien

Yu Garden (2) » «

13 Kommentare

  1. »Das Schach braucht stren­ge­re Regeln.«
    Wirklich??

  2. Man kann es natür­lich über­trei­ben, aber es ist doch abso­lut zumut­bar, wenn man den Spie­lern der Schach­bun­des­li­ga das Mit­füh­ren von Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie unter­sagt. Jede Mann­schaft hat im Nor­mal­fall einen nicht­spie­len­den Funk­tio­när dabei, dem man doch genü­gend Ver­trau­en ent­ge­gen­brin­gen soll­te, dass er mal für ein paar Stun­den das Han­dy bewa­chen kann, wenn man es nicht im Auto, Hotel­zim­mer oder zu Hau­se las­sen möchte.
    Und wenn man es eh aus haben muss, muss man es auch nicht am Mann haben.

    Ein Ver­bot wäre auch in der Hand­ha­bung viel ein­fa­cher als eine Ãœber­prü­fung von irgend­wel­chen Han­dies, die wohl kaum ziel­füh­rend sein dürfte.

  3. Das Schach­spiel hat somit den Höhe­punkt sei­ner kul­tu­rel­len Blü­te erreicht.

  4. Stefan

    4. November 2012 — 19:14

    Ich wäre da nicht so opti­mis­tisch, das kann sicher noch gestei­gert werden…

  5. Stefan

    5. November 2012 — 07:34

    @Losso Mir ging es auch eher um die unap­pe­tit­li­chen Vor­fäl­le auf der Toi­let­te und die all­ge­mei­ne Vor­ver­ur­tei­lung des Spie­lers in Unkennt­nis des gan­zen Sach­ver­halts. Ansons­ten wird eine sol­che Regeln in der Bun­des­li­ga noch durch­führ­bar sein, dar­un­ter und bei offe­nen Tur­nie­ren wohl kaum, da weder Schieds­rich­ter noch Tur­nier­lei­ter auf einen Berg Smart­pho­nes auf­pas­sen werden.

  6. Nun, And­re Schulz stellt kei­nen an den Pran­ger. Er gibt mit Recht an, dass Spie­ler, die mit der The­ma­tik Han­dy wäh­rend der Tur­nier­par­tie Schwie­rig­kei­ten haben und gegen Regeln ver­sto­ßen, mit Namen zu nen­nen sind. Das ist doch selbst­ver­ständ­lich. Sebas­ti­an Sie­brecht hat­te Fal­ko Bind­rich ja auch noch eine gol­de­ne Brü­cke gebaut. Natür­lich mag Bind­rich sen­si­ble Daten auf sei­nem Smart­pho­ne gehabt haben. Dann mus­se er es vor der Par­tie anders hän­deln, um nicht in Schwie­rig­kei­ten zu kommen.

    Deep­Ch­ess fragt: Ist E‑Doping eine Gefahr für das Schach?

    Ich per­sön­lich möch­te gegen kei­nen Kon­tra­hen­ten spie­len, der mich ver­sucht, über den Tisch zu zie­hen mit Hil­fe sei­nes Smartphones.

  7. Stefan

    9. November 2012 — 09:19

    Ich hal­te es nicht für ein Selbst­ver­ständ­lich­keit, dass Schach­spie­ler, die gegen eine Regel ver­sto­ßen, öffent­lich genannt wer­den. Wir sind m.E. kei­ne Per­so­nen von öffent­li­chem Inter­es­se und haben das Recht auf Pri­vat­heit. Und ich möch­te nicht an Wett­kämp­fen teil­neh­men, bei denen der Schieds­rich­ter Spie­ler beim Stuhl­gang belauscht und ande­re Spie­ler unter der Klo­tür durch­gu­cken – und dafür noch als Auf­klä­rer gefei­ert wer­den. Mehr woll­te ich gar nicht sagen.

  8. Die Ein­zel­hei­ten des Toi­let­ten­ri­tu­als mal außen vor gelas­sen (ich wür­de per­sön­lich nie unter eine Tür auf dem WC schau­en wol­len), war­um hat Bind­rich sein Smart­pho­ne dabei? Und natür­lich muss die Per­son, die wegen eines Regel­ver­sto­ßes eine Schach­par­tie in der Schach­bun­des­li­ga nach 10 Zügen ver­liert, genannt wer­den dür­fen. Selbst­ver­ständ­lich. Die Schach­bun­des­li­ga läuft im Inter­net live. Jeder hat es mit­be­kom­men, dass die Par­tie nach 10 Par­tien mit 1:0 für Sebas­ti­an Sie­brecht gegen Fal­ko Bind­rich aus­ging. Wer in der Schach­bun­des­li­ga spielt, spielt in der Öffentlichkeit. Wenn­gleich natür­lich in einer klei­nen Nischen‑Öffentlichkeit. Ãœber das media­le Echo kann man geteil­ter Mei­nung sein. Image­för­dernd für den Spie­ler mit der Nie­der­la­ge ist es natür­lich nicht gerade.

  9. Natür­lich ist F.B. kei­ne Per­son von öffent­li­chem Inter­es­se, aber das Bun­des­li­ga­spiel ist öffent­lich, übri­gens genau­so wie mei­ne Spie­le in der Ver­bands­klas­se OWL oder die Spie­le des Blog­be­trei­bers in der Ober­li­ga, und damit natür­lich alles, was inner­halb die­ser Wett­kämp­fe passiert.
    Zu jedem regu­lä­ren Wett­kampf gehört außer­dem, dass alle rele­van­ten Berei­che, also über­all dort, wo die Teil­neh­mer Regel­ver­let­zun­gen bege­hen könn­ten, von Schieds-/Kampf­rich­tern – nen­nen wir es ruhig so – über­wacht wer­den. Das ist nichts schach­spe­zi­fi­sches, son­dern in jedem Sport so. Schach­spe­zi­fisch ist aller­dings, dass Regel­ver­stö­ße hier auch – und gera­de hier – auf Toi­let­ten mög­lich sind.
    Kon­se­quen­ter­wei­se müss­te man daher die Toi­let­ten­be­rei­che aus dem Tur­nier­are­al aus­schlie­ßen. Mag hart klin­gen, ist aber der ein­fachs­te Weg einen regu­lä­ren Wett­kampf­be­trieb auf­recht zu erhalten.

  10. Und jeder Spie­ler bekommt sei­nen per­sön­li­chen Nacht­topf ans Brett gestellt?!
    Lie­ber Schach­freund Mei­se, haben Sie eine ebensolche?

  11. Wenn die sani­tä­ren Anla­gen nicht zum Tur­nier­are­al gehö­ren, bedeu­tet das nicht, dass die­se grund­sätz­lich für die Spie­ler wäh­rend der Par­tie tabu sind, son­dern nur mit der Erlaub­nis des Schieds­rich­ters auf­ge­sucht wer­den dürfen.
    Prak­ti­ka­bel ist das ohne­hin nur, wenn genü­gend Schieds­rich­ter vor­han­den sind, und ob eine sol­che Maß­nah­me über­haupt a) poten­ti­el­le Betrü­ger abschreckt und b) Akzep­tanz fin­det, mag durch­aus bezwei­felt wer­den, aber die Ant­wort von Wer­ner Ber­ger lässt eher (nicht sehr schmei­chel­haf­te) Rück­schlüs­se über sei­nen eige­nen Geis­tes­zu­stand zu.

  12. Kei­ne Sor­ge, ich bin völ­lig klar im Kopf. Was bringt es, den Spie­ler zu ver­pflich­ten, für jeden ein­zel­nen Toi­let­ten­gang eine spe­zi­el­le Geneh­mi­gung des Schieds­rich­ters ein­zu­ho­len? Die von SF Mei­se ange­dach­te Ãœber­wa­chung des Toi­let­ten­be­rei­ches kann dadurch nicht erreicht wer­den, da kein Spie­ler dul­den muss, dass der Schieds­rich­ter ihn in der Toi­let­ten­ka­bi­ne bei der Ver­rich­tung beob­ach­tet. Oder setzt der Hart­platz­held das als selbst­ver­ständ­lich voraus?

  13. Unsinn, es reicht völ­lig aus, wenn der Schieds­rich­ter eine Wan­ze anbringt und aus der Ton­auf­nah­me das Rau­schen her­aus­fil­tert, um so han­dy­ver­däch­ti­ge Geräu­sche zu erken­nen. (Dis­c­lai­mer: Wer das tat­säch­lich für bare Mün­ze nimmt, soll­te sich zur Ermitt­lung sei­nes Geis­tes­zu­stan­des bes­ser nicht auf sei­ne eige­ne Ein­schät­zung ver­las­sen, son­dern pro­fes­sio­nel­le Hil­fe in Anspruch nehmen.)

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