Schachblätter

Muss Franco-Polnisch als widerlegt angesehen werden?

Der ers­te Teil unse­res hier annon­cier­ten klei­nen The­ma-Tur­niers zur Mode­er­öff­nung Fran­co-Pol­nisch brach­te die schwar­ze Sei­te gleich erheb­lich in Bedräng­nis. Die wei­ßen Far­ben wur­den von @AliasEtez ver­tre­ten, Schwarz führ­te der Bericht­erstat­ter höchst­per­sön­lich (@schachblaetter). Bei­de Par­tei­en kom­men­tie­ren ihre Züge jeweils selbst. Auf die Hin­zu­zie­hung von Rech­ner­kraft wur­de jeweils ver­zich­tet, was die Sze­ne­rie jeden­falls in der Schluss­pha­se deut­lich belebt hat.

1.e4 e6 2.d4 b5 Die Aus­brei­tung in der Mit­te wird mit dem natür­li­chen Vor­stoß an der Flan­ke beantwortet. 

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3.Lxb5 Lei­der wohl Pflicht, bevor­zug­te lie­ber natür­li­che Aus­brei­tung wie g4. 3…Lb7 Weiß steht schon sehr gefähr­det. g4 scheint jetzt nur bedingt stel­lungs­ge­mäß zu sein. 4.Sf3 Ver­sucht sich der Schwä­che e4 zu ent­le­di­gen … 4…Lxe4 Ich bin beein­druckt. Jetzt habe ich einen Orang-Utan mit Minus­tem­po. Ste­he kurz vor der Auf­ga­be. 5.Sc3 Lb7 6.0–0 Sf6 Herr Schlen­ker lobt in sei­nen Wer­ken übri­gens den Spiel­ver­der­ber­zug 4.Sf3. 7.Te1 Da habe ich ja intui­tiv das Lang­wei­li­ge getan, das erfreut mich doch immer. 7…Le7 Das wäre gera­de unter der Schach­ju­gend beliebt, falls es dich trös­tet… 8.Sa4 In Erman­ge­lung ande­rer Züge gehört der Sprin­ger ein­fach an den Rand. 8…0–0 Und ich kann ihn nicht mehr mit b7-b5 ver­trei­ben! 9.Sc5 Atta­cke! 9…Lc8 Sicher dumm, aber die Ver­su­chung war ein­fach zu groß, so einen häss­li­chen Zug zu spie­len! 10.Ld3 Es reiz­te mich natür­lich mit Se5 wei­ter unkon­ven­tio­nell zu sein, aber ich bin da bekann­ter­ma­ßen seri­ös. 10…d6 Sieht aus, als woll­test du einen Königs­an­griff nach klas­si­schen Mus­tern zele­brie­ren. 11.Se4 Erwischt, eigent­lich soll­te jetzt schon Lh7 kom­men. 11…Sbd7 (vor­beu­gend) 12.De2 (vor­be­rei­tend) 12…Lb7 Das berühm­te Rück­kehr-Manö­ver. 13.Seg5 Das berühm­te „ich tue mal, als ob ich was drohe“-Manöver. 13…Lxf3 Ich schwä­che mal wei­ter mei­ne wei­ßen Fel­der. Not­falls spie­le ich ein­fach auf den schwar­zen wei­ter. 14.Dxf3 Jetzt gehört die Dia­go­na­le mir, das Eröff­nungs­kon­zept des Schwar­zen ist wider­legt! 14…h6 Von mei­nem Kon­zept muss­te ich mich schon im 4. Zug ver­ab­schie­den! Wie ich dich ken­ne, wirst du jetzt rein­klop­pen. 15.Sh3 Ich bin geläu­tert. 15…Te8 Ich gra­be mich ein. 16.b3 Ich spie­le gaaaa­anz lang­saaaaaaaam. 16…Sf8 Ange­sichts von f7 ver­mis­se ich doch mei­nen weiß­feld­ri­gen Läu­fer sehr! 17.Sf4 Ich ver­mis­se nur den schnel­len Angriff … 17…Dd7 Was für eine ver­murks­te Stel­lung! 18.c4 Dann wer­de ich mich ganz lang­sam wei­ter natür­lich auf­bau­en. 18…c6 Nach dem trau­ri­gen Ende für mei­nen b‑Bauern und den Läu­fer wer­de ich die sechs­te Rei­he nicht mehr über­tre­ten. 19.Lb2 Ich schlie­ße mich dem Nicht­an­griffs­pakt an und ope­rie­re nur bis zur vier­ten Rei­he. 19…d5 Ja, es ist eine kurz­le­bi­ge Zeit … 20.c5 Die­sen Stra­te­gie­ver­stoß muss ich mit einem eben­sol­chen bestra­fen. 20…Ld8 Ich lie­be die­ses Manö­vrie­ren. 21.Te2 Old Slowhand hat gespro­chen. 21…a5 Beherz­te Aus­deh­nung! 22.Lc2 Lc7 23.Tae1 S8h7 Etwas per­spek­tiv­los mei­ne Stel­lung. 24.h4 Dc8 Ich ver­ra­te nicht, was ich mit die­sem Zug bezwe­cke! 25.g4 Ist mir egal, ich spie­le nach Sche­ma f: h‑und g‑Bauern vor. 25…Db8 Ich spie­le nach Sche­ma SOS (Ent­schul­di­gung für die­ses Wort­spiel). 26.Sh3 Ent­schul­di­gung gewährt. PS: Beacht­li­che Rei­se des Sb1: 8 Züge!

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26…g5 Mög­li­cher­wei­se wird die­ser Zug nicht in die Schach­ge­schich­te ein­ge­hen. 27.hxg5 hxg5 Wenn du jetzt bit­te ein­mal aus­set­zen wür­dest! 28.Lc1 Ich war ja ver­sucht, das Ange­bot anzu­neh­men und Lb1 zu spie­len, aber ich will es mal sau­ber ver­su­chen. 28…e5 Hier dürf­te ohne­hin nichts mehr für mich gehen. 29.dxe5 Irgend­wie wer­de ich mir wohl min­des­tens einen Bau­ern grab­schen. 29…Txe5 30.Sxg5 Nach dem Gewinn des g- und b‑Bauern soll­te ich stra­te­gisch gewis­se Plus­punk­te gesam­melt haben. 30…Sxg5 Gleich ist es geschafft. 31.Dxf6 All­mäh­lich zie­hen sich die schwar­zen Figu­ren wie ein Gewit­ter über mei­ner Königs­stel­lung zusam­men. 31…Se4 Wie eine Oze­an­über­fahrt auf einem Sieb. 32.Lxe4 Du hast ver­ges­sen, Gar­dez anzu­sa­gen. 32…Txe4 Ent­schul­di­gung! Hole ich in der Par­tie-Ana­ly­se nach. Noch eine Gar­dez-Situa­ti­on wer­de ich wohl nicht bekom­men. 33.Txe4 Ich bit­te aber um Revan­che, um mei­ne eröff­nungs­theo­re­ti­sche Trai­nings­ar­beit anzu­brin­gen. 33…dxe4 Selbst­ver­ständ­lich, aber solan­ge Figu­ren auf dem Brett sind, kämp­fe ich noch wei­ter (sog. Vete­ra­nen-Schach). 34.Lb2 Mut zeigt auch der lah­me Muck. PS: Jetzt habe ich end­lich mei­nen Matt­an­griff (sog. Kaf­fee­haus­schach). 34…Lh2+ Schach (sog. Rache­schach)! Mein Gegen­an­griff kommt even­tu­ell etwas spät. 35.Kg2 Stra­te­gisch aber eine kor­rek­te Fort­set­zung des Pla­nes im 24. Zuge. Auf­ga­be Hof­fent­lich ist der Zeit­punkt für die ehren­vol­le Auf­ga­be noch nicht ver­passt. Glück­wunsch! Dan­ke für die Partie!

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7 Kommentare

  1. Der Text sieht zum „Nach­spie­len“ etwas unüber­sicht­lich aus… Mei­ne mich aber erin­nern zu kön­nen, dass die Par­tie in der Tat sehr inter­es­sant war :-)

  2. Haet­te die schwar­ze Stel­lung nach 8. … a6 nebst 9. … d6 noch Per­spek­ti­ve gehabt?

    Claus

  3. Stefan

    16. September 2009 — 19:22

    @ElNino: Ganz unten den Link klicken!
    @Claus: Die schwar­ze Stel­lung war eigent­lich voll­kom­men in Ord­nung, bis ich selbst auf­ge­ris­sen habe. Erst recht in die­ser frü­hen Par­tie­pha­se. Spä­ter hät­te ich wohl mal mit Se4 stop­fen müssen.

  4. In mei­nem Schach­ver­ein gibt es einen Spie­ler der unab­hän­gig von den wei­ßen Zügen mit 1…e6 2…a6 3…b5 eröff­net. Ein­mal konn­te ich ihn durch 2.a4 über­zeu­gen 3…b6 statt b5 zu spie­len. 3…b5 hät­te dann mög­li­cher­wei­se ein ver­zö­ger­tes Fran­co-Pol­nisch erge­ben?! Ich habe ihm den Link zu Eurer Par­tie geschickt und er ist ganz begeistert.
    Mit Weiß spielt er selbst­ver­ständ­lich 1.b4 und im Schnell­schach spiel­te ich dies gegen ihn:
    1.b4 e5
    2.Lb2 Lxb4
    3.Lxe5 Sf6
    4.Sc3 Hier woll­te ich eigent­lich d5 spie­len, aber da der Läu­fer das Feld b2 nun nicht mehr hat sah auch d6 ver­lo­ckend aus
    4… d6
    5.Lxf6 Dxf6
    6.Sd5 Es dau­er­te etwas bis ich den Schock ver­ar­bei­tet hat­te und die rich­ti­ge Idee aber den fal­schen Zug fand.
    6…De5 Es muss natür­lich Dd4 sein um den Läu­fer zu decken. Nun kann Weiß ein­ach den Läu­fer nehmen.
    7.Sxc7+ Kd8
    8.Sxa8 Lxd2+ und das Ãœber­le­ben war gesichert.

  5. @ Ste­fan: O.k., die Nach­spiel­op­ti­on reißt natür­lich alles raus…Die ist klas­se! Wie macht man sowas?

  6. @Ola: Bes­ser als die älte­ren Herr­schaf­ten, die beharr­lich mit 1.d4 und 2.f4 eröffnen.

    Gegen Orang-Utan soll 2…Lxb4 ja tat­säch­lich das kri­ti­sche Abspiel sein. Habe ich mal für eine Ober­li­ga-Par­tie vor­be­rei­tet. Kam dann natür­lich nicht aufs Brett und inzwi­schen ist es wie­der vergessen…

    @El: Mit Chess­ba­se kann man Par­tein auch als html+java ausgeben.

  7. „@Claus: Die schwar­ze Stel­lung war eigent­lich voll­kom­men in Ord­nung, bis ich selbst auf­ge­ris­sen habe. Erst recht in die­ser frü­hen Par­tie­pha­se. Spä­ter hät­te ich wohl mal mit Se4 stop­fen müssen.“

    Mei­nes Erach­tens war die schwar­ze Stel­lung sta­bil, aber Weiß hat­te schon mehr vom Spiel, Ver­bes­se­run­gen der schwar­zen Par­tie­an­la­ge wer­den nicht ver­ra­ten, da ich die­se selbst anzwen­den gedenke. :-)

    PS: Im Kais­si­ber ent­deck­te ich ges­tern eine kur­ze „Wider­le­gung“ der Eröff­nung, aber die ist selbst­ver­ständ­lich nicht persistent.

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