Eine Unterbrechung meines Daseins als Schachrentner führte mich in die Mensa der Hochschule Stralsund, die bis vor kurzem noch Fachhochschule hieß und davor mal Offiziershochschule der Volksmarine war. Seit ich denken kann, wird dort Schach gespielt, aber inzwischen muss man nicht mehr seinen Personalausweis beim uniformierten Wachpersonal am Eingang hinterlegen. Dafür gibt es auf dem Gelände eine Reihe von Verkehrsschranken, die nach einem verwirrenden System geöffnet und geschlossen werden. Der gastgebende Verein jedenfalls hat seinen Namen den wechselnden Nutzern der Gebäudes angepasst (OHS zu FHS zu HSG), so dass es heute zu einem Match zwischen der HSG Stralsund II und dem Greifswalder SV III kam.

Ich konnte gegen den Stonewall meines Gegners absolut nichts herausholen, aber immerhin hatte er mir gestattet, meinen Bauern bis nach b6 zu bringen und seinen Läufer etwas sorglos nach e8 gestellt. Ich nahm jetzt noch einmal zehn Minuten Bedenkzeit und nachdem ich meinte, alles durchgerechnet zu haben, zog ich das offensichtliche 36.La6.

Der Schwarze glaubte mir und reichte sofort die Hand übers Brett. Ich sah ihn etwas ratlos an, aber er meinte, hier könne er nichts mehr machen. Das dachte ich eigentlich auch. Er hatte nur 36…bxa6 37.La5 und 38.b7 berechnet. Ich hatte in dieser Variante allerdings den Trick 37…Lc7! 38.bxc7 (38.b7? Lb8) 38…Ld7 gesehen und wollte deshalb mit 37.Lxg5 Lc7! 38.Le7 a5 39.Ld6! gewinnen. Weiß zieht in diesen Varianten immer zuerst ein und a1D ist nie ein Schach, so dass anschließend auch noch der Läufer auf e8 fällt. Aber leider hält das trockene 38…Ld7! 39.Ld6 Lc8! meinen Bauern auch hier einfach auf.

Also: Lasst es euch immer zeigen.

Nachtrag

Ulli wies mich darauf hin, dass nach 36.La6 bxa6 37.Lxg5 Lc7?! vielleicht doch verliert, weil nach 38.bxc7 Ld7 39.Ld2 der weiße König eindringen kann. Ganz sicher ist daher 37…Ld7!! 38.Lxd8 Lc8. Der Unterschied ist, dass das Feld b6 durch den weißen Bauern blockiert bleibt. Danke für den Hinweis!

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