Schachblätter

Eine Remisstellung aufgeben (3)

Eine Unter­bre­chung mei­nes Daseins als Schach­rent­ner führ­te mich in die Men­sa der Hoch­schu­le Stral­sund, die bis vor kur­zem noch Fach­hoch­schu­le hieß und davor mal Offi­ziers­hoch­schu­le der Volks­ma­ri­ne war. Seit ich den­ken kann, wird dort Schach gespielt, aber inzwi­schen muss man nicht mehr sei­nen Per­so­nal­aus­weis beim uni­for­mier­ten Wach­per­so­nal am Ein­gang hin­ter­le­gen. Dafür gibt es auf dem Gelän­de eine Rei­he von Ver­kehrs­schran­ken, die nach einem ver­wir­ren­den Sys­tem geöff­net und geschlos­sen wer­den. Der gast­ge­ben­de Ver­ein jeden­falls hat sei­nen Namen den wech­seln­den Nut­zern der Gebäu­des ange­passt (OHS zu FHS zu HSG), so dass es heu­te zu einem Match zwi­schen der HSG Stral­sund II und dem Greifs­wal­der SV III kam. 

Ich konn­te gegen den Stone­wall mei­nes Geg­ners abso­lut nichts her­aus­ho­len, aber immer­hin hat­te er mir gestat­tet, mei­nen Bau­ern bis nach b6 zu brin­gen und sei­nen Läu­fer etwas sorg­los nach e8 gestellt. Ich nahm jetzt noch ein­mal zehn Minu­ten Bedenk­zeit und nach­dem ich mein­te, alles durch­ge­rech­net zu haben, zog ich das offen­sicht­li­che 36.La6.

Der Schwar­ze glaub­te mir und reich­te sofort die Hand übers Brett. Ich sah ihn etwas rat­los an, aber er mein­te, hier kön­ne er nichts mehr machen. Das dach­te ich eigent­lich auch. Er hat­te nur 36…bxa6 37.La5 und 38.b7 berech­net. Ich hat­te in die­ser Vari­an­te aller­dings den Trick 37…Lc7! 38.bxc7 (38.b7? Lb8) 38…Ld7 gese­hen und woll­te des­halb mit 37.Lxg5 Lc7! 38.Le7 a5 39.Ld6! gewin­nen. Weiß zieht in die­sen Vari­an­ten immer zuerst ein und a1D ist nie ein Schach, so dass anschlie­ßend auch noch der Läu­fer auf e8 fällt. Aber lei­der hält das tro­cke­ne 38…Ld7! 39.Ld6 Lc8! mei­nen Bau­ern auch hier ein­fach auf.

Also: Lasst es euch immer zeigen.

Nach­trag

Ulli wies mich dar­auf hin, dass nach 36.La6 bxa6 37.Lxg5 Lc7?! viel­leicht doch ver­liert, weil nach 38.bxc7 Ld7 39.Ld2 der wei­ße König ein­drin­gen kann. Ganz sicher ist daher 37…Ld7!! 38.Lxd8 Lc8. Der Unter­schied ist, dass das Feld b6 durch den wei­ßen Bau­ern blo­ckiert bleibt. Dan­ke für den Hinweis!

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4 Kommentare

  1. „… das offen­sicht­li­che 36.La6.“
    Mmhh, auf­’m Hart­platz ist das gar nicht sooo offen­sicht­lich son­dern rich­tig schick. Es reicht auf alle Fäl­le, um den Geg­ner tüch­tig zu erschrecken.
    Ach ja, schön, dass du wie­der „ange­fixt“ bist. ;-)

  2. Nach 37…Ld7!! 38.Lxd8 Lc8 soll­te die Par­tie m.E. Remis aus­ge­hen, wobei die Sache noch etwas knapp ist.

    39.h4 Kg7? (39…h5! 40. g4 Kg7! [40… hxg4? 41. Kg3 Kg7 42. Kxg4 Kg6 43. h5+ Kh6 44. Lg5+ Kg7 45. Ld2 reicht nicht, da weiß den König über f6 ins Spiel bringt) 41. Kg3 [41. gxh5 Kh6] Kg6 bringt aus­rei­chend Sta­bi­li­tät in die Stel­lung) 40. h5 und es wird schwer für den Nach­zie­hen­den: … Lb7 41. g4 Lc8 42. Lg5 Lb7 43. Kf2 Lc8 44. Ke2 Lb7 45. Kd2 Lc8 46. Kc3 Lb7 47. Kb4 Lc8 48. Ka4 Lb7 49. Ka5 Kf7 (auf … Lc8 folgt 50. b7 nebst Kb6) 50. Lh6 Kg8 51. g5 Kf7 52. Kb4 Lc8 53. Ka4 Lb7 54. Ka5 Kg8 55. g6 Und dann geht weiß mit dem König über g5 nach f6. Setzt sich der schwar­ze a‑Bauer in Bewe­gung wird er ent­we­der vom wei­ßen König abge­holt. Oder wenn die­ser sich erst in Bewe­gung setzt wenn der wei­ße Mon­arch auf g4 ange­langt ist vom König igno­riert und vom Läu­fer gestoppt, wenn der wei­ße König zuvor sein Traum­feld f6 erreicht hat.

    Habe ich etwas übersehen?

  3. Stefan

    2. Oktober 2019 — 17:39

    Ich habe die Vari­an­ten mal ergänzt. Ganz erstaun­lich, was die­se ursprüng­lich völ­lig tote Stel­lung noch her­gibt. Die Engi­ne ist zunächst unbe­ein­druckt und will die Stel­lung nach 55.g5 hal­ten, ver­liert dann aber doch.

  4. Beim heu­ti­gen Früh­stück ist mir noch eine Gewinn­idee gekom­men, gewiss erstaun­lich, auch die­se schei­tert eher knapp.

    39. Lg5 Kg7 40. Ld2 Kg6 41. g4 Lb7 [Der ers­te Trick: … h5 taugt wegen 42. Kg3 nebst Kh4 nichts und weiß wird am Königs­flü­gel durch­bre­chen.] 42. Kg3 Lc8 43. Kh4 Lc8? [Spä­tes­tens hier ist …h6 Pflicht. Sieht etwas merk­wür­dig aus, da ein Bau­er auf die Far­be des wei­ßen Läu­fers gestellt wird, ver­tei­digt aber Raum. 44. Kg3 ((44.g5 h5 und ein Schla­gen en pas­sant ist nicht mehr mög­lich, eine wich­ti­ge Idee von h6!)) Lc8 45. Kf2 ((auf z.B. 45. h4 folgt stets … h5)) Lb7 46. Ke2 Lc8 ((…h5 taugt wegen Kf3-g3-h4 noch nichts)) 47. Kd3 und erst jetzt …h5 48. h3 hxg4 49. hxg4 Lb7 und weiß hat kei­ne Mög­lich­keit mehr, den Schwar­zen zurück­zu­drän­gen.] 44. g5 Lb7 [auf h5 folgt stets gxh6] 45. Kg4 Lc8 46. h4 Lb7 47. h5+ Kg7 und hier gewinnt über­ra­schend 48. g6 hxg6 [… h6 ist nicht bes­ser: Der wei­ße König läuft nach a5 und bringt den Nach­zie­hen­den in Zug­zwang. Ent­we­der der Bau­er h6 fällt oder weiß dringt nach Opfer des Bau­ern b6 am Damen­flü­gel ein. Auf … Lc8 gewinnt 49. Kg5] 49. h6+ Kf7 50. Kg5 Lc8 51. Le1 Lb7 52. h7 Kg7 53. h8D+ Kxh8 54. Kxg6 Kg8 55. Kf6 und weiß dringt über e6 oder e7 ein.

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