Dame II

Zufälligerweise fallen meine ersten Gehversuche in Dame mit der Frauenweltmeisterschaft in Riga zusammen. Gestern glich die polnische Herausforderin Natalia Sadowska in der 4. Partie gegen die lettische Titelverteidigerin Zoja Golubeva aus.

Hier gab Schwarz auf. Ich hielt das, gestützt auf meine Erfahrungen aus einem Onlinekurs für Anfänger, zunächst für einen Eingabefehler. Konnte Schwarz hier nicht in ein remises Endspiel abtauschen?

Opfert drei Steine, Weiß muss die Maximalzahl schlagen

… und verliert postwendend die Dame.

Ich dachte, das wäre Unentschieden. Weiß kann zwar zuerst verwandeln, aber auch der Schwarze läuft durch und zwei Damen gegen eine Dame ist im Draughts remis. Was ich übersehen hatte:

Mit diesem Zwischenzug wirft Weiß den schwarzen Stein um zwei Reihen zurück. Es besteht Schlagpflicht, Schwarz muss das Opfer annehmen. Weiß holt sich anschließend im Eckfeld eine Dame und wartet dann in aller Ruhe, bis der letzte schwarze Stein auf der langen Diagonalen auftaucht und dort abgeräumt wird.

Dame

Dame scheint aufgehört zu haben. Als Kind habe ich noch Dame gespielt. Die Steine waren in jeder Spielesammlung, dazu gab es ein Brett aus Pappe, auf der einen Seite Dame, auf der anderen Mühle. Alle konnten Dame spielen, die Regeln sind ja bemerkenswert simpel (was nichts bedeuten muss: Go hat noch einfachere Regeln und ist das schwierigste Spiel der Welt).

In Wirklichkeit sind die Dame-Regeln auch gar nicht simpel, sondern bei globaler Betrachtung eher chaotisch. Es gibt, die beiden Begriffe draughts und checkers deuten es schon an, jede Menge unterschiedlicher Varianten: Dürfen die Steine auch rückwärts schlagen? Darf die Dame nur ein Feld weit ziehen oder so weit sie will? Muss sie direkt hinter dem geschlagenen Stein landen? Wird ein Stein unterwegs verwandelt, wenn er in einer Schlagfolge die gegnerische Grundreihe erreicht und sofort (rückwärts) weiterschlägt? Muss man den Zug wählen, der die meisten Steine schlägt? Und wie groß ist das Brett überhaupt?

Eine Recherche in meinem Bücherregal ergab eine einzige Quelle zum Damespiel (siehe oben) und die kann ich inzwischen nur noch eingeschränkt verwenden:

Die deutsche Variante ist nämlich ausgestorben.

Meta XXX

Ich habe die Sommerpause genutzt, um nach langer Zeit endlich mal die Linkliste zu aktualisieren. Erwartungsgemäß sind viele Schachseiten inzwischen eingestellt, aber es sind auch ein paar neue hinzugekommen. Die Abteilungen für Schach und Shogi sind eine Auswahl mit einem Schwerpunkt auf Blogs, beim Xiangqi habe ich mich um Vollständigkeit bemüht. Über Ergänzungen in den Kommentaren würde ich mich freuen.

Schatrandsch

Ich habe meinen Account bei SchemingMind reaktiviert, allein schon, weil es auf eine angenehme Weise distinguiert ist, eine Website nach einem Zitat von Arthur Conan Doyle zu benennen.

Amberley excelled at chess – one mark, Watson, of a scheming mind.

Vor allem ist es die einzige Seite, die ich kenne, auf der man Schatrandsch (das persische Schach) spielen kann. Jetzt bin ich auf der Suche nach Gegnern und Literatur. Hier ist schon mal eine Partie mit einem sehr ästhetischen Mattbild. Es ist ein sehr langsames Spiel aus der Zeit, als Dame (Fers) und Läufer (Alfil) noch keine langschrittigen Figuren waren. Immerhin ist der Begriff der Tabija im modernen Schach inzwischen wieder geläufig, ein seltenes Beispiel von schachhistorischem Bewusstsein.

Meta XXIX

Die gute oder die schlechte Nachricht zuerst?

1. Die gute: Die FAZ hat seit einiger Zeit ein empfehelnswertes Mehr-Autoren-Schachblog — Berührt, geführt.

2. Die schlechte: Die Mutter aller Schachblogs scheint dauerhaft offline zu sein. Das ist ein Kulturverlust. Wenn ich den Laden hier mal schließe, werde ich versuchen, die Seite öffentlich zu archivieren. Zu den guten Zeiten lebten die Schachblätter nicht nur von den Autoren, sondern auch von den Kommentaren. Inzwischen hat Social Media wahrscheinlich alles abgesaugt.