Schachblätter

Vereinsabend XVI = Hartplatzhelden (8)

Wahr­schein­lich gibt es in jedem Schach­ver­ein eine Per­son, die nicht zu erset­zen ist. Bei uns ist es Ralf, in Per­so­nal­uni­on Vor­sit­zen­der, Spiel­lei­ter, Jugend­trai­ner, Orga­ni­sa­tor, Schieds­rich­ter und Mäd­chen für alles. Neben­be­ruf­lich noch Schach­ju­gend­funk­tio­när. Not­falls droht er gar damit, Mann­schafts­lei­ter der 2. Mann­schaft zu wer­den, wenn sich sonst nie­mand fin­de. Es fand sich…

Nor­ma­ler­wei­se wird der Ver­eins­abend neben den übli­chen Blitz-Exzes­sen auch dafür genutzt, dass unse­re Hel­den aus der Bezirks­li­ga zum all­ge­mei­nen Gau­di ihre aktu­el­len Taten von diver­sen öffent­li­chen Ver­an­stal­tun­gen vor­füh­ren. Manch­mal eher eine Sache für den Jugend­schutz (Old Meck­len­burg Fore­ver ist ja lei­der weit­ge­hend inak­tiv), doch immer unge­mein lehr­reich. Neu­lich zeig­te Ralf dies hier (Krie­se – Wag­ner, VCH-Open 2010):

kriese
r1brn3/1p5k/p2p2pb/3Pp1q1/PRP1PpP1/2NN1P1p/3Q1B1P/5R1K b – - 0 28

Ralf hat­te gera­de mit g3-g4 abge­rie­gelt und Schach­freund Wag­ner aus Gnoi­en ließ sich natür­lich nicht lan­ge bitten:
28…Lxg4 29.fxg4 Dxg4 30.Txb7+ Dg2#
Das Matt folg­te selbst­re­dend a tem­po. Ralf spiel­te jetzt sei­ne Regel­kennt­nis­se aus und wies dar­auf hin, dass Schwarz zunächst das Schach bedie­nen müs­se. Nach eini­gem Ãœber­le­gen kam deshalb
30…Sg7
„Nein, nein, berührt-geführt, du musst die Dame schon zie­hen!“ Die­se Regel wäre mir aller­dings nicht auch noch ein­ge­fal­len, glau­be ich.
30…Dd7 31.Txd7+
und, viel­leicht etwas früh, Aufgabe.

Kategorien: Local Heroes

Meta XXVI » « Vereinsabend XV

11 Kommentare

  1. He Ste­fan, du hast ja doch hingeguckt. ;-)
    Ehr­lich gesagt, war ich an die­ser Stel­le der Mei­nung, mit der Mehr­fi­gur auf Gewinn zu ste­hen und mir mit der Rekla­ma­ti­on nur ggf. ein zähes aber klar gewon­ne­nes End­spiel zu erspa­ren. (Um es gleich vor­weg­zu­neh­men – ja, ich hat­te das Schach in einer dem Tur­nier­saal ange­pass­ten Laut­stär­ke ange­sagt.) Das Läu­fer­op­fer hielt ich für den Mut der Ver­zweif­lung (war es auch), da Schwarz am Dame­flü­gel wohl dem­nächst ein­fach zugrun­de geht. (28. Lb6 statt g4 hät­te Schwarz wohl schon vor unlös­ba­re Pro­ble­me gestellt.) Mei­ne Gedan­ken­gän­ge, bevor ich 28. g4 zog, waren in etwa: Erst mal hier dicht machen. Falls
    28…Lxg4 29.fxg4 Dxg4 30. Txb7+ Sg7 (Kg8 ist noch schlech­ter) war ich in mei­ner Vor­aus­be­rech­nung der Mei­nung, dass jetzt 31. Le1 das Matt auf g2 über­deckt und alle Pro­ble­me löst. Natür­lich hat­te ich auch 31. … f3 gese­hen, hielt das aber nicht mehr für pro­ble­ma­tisch und rech­ne­te nicht wei­ter. Tat­säch­lich scheint Weiß nach 32. Tg1 aller Sor­gen ledig zu sein. Nach 32. … Dg2 33. Txg2 fxg2+ 34. Kg1 Lxd2 35. Lxd2 steht ein gewon­ne­nes End­spiel für Weiß auf dem Brett, da die bei­den vor­ge­presch­ten Bau­ern nicht zu hal­ten sind – oder geht noch was? Tatsächlich!
    Mit 35. … Tf8! 36. Sf2 Txf2!! 37. Kxf2 Tf8+! holt sich Schwarz sei­ne Köni­gin zurück, bzw. lässt sich Weiß dann lie­ber mit 38. Kg1 Tf1 matt setzen.
    Natür­lich ist es mir im Nach­hin­ein etwas pein­lich, die Par­tie qua­si am grü­nen Tisch gewon­nen zu haben, aber Hand aufs Herz mei­ne Damen und Her­ren. Hät­tet ihr das alles so mal eben so „en passant“ berech­net? Ãœb­ri­gens IST die Stel­lung zum Zeit­punkt der Rekla­ma­ti­on doch klar gewon­nen für Weiß, denn in die­ser Vari­an­te gehen nach 31. Se1 bei Schwarz sofort die Lich­ter aus. Das hat aber erst >Fritz< gese­hen. Viel­leicht hät­te ich das am Brett auch gefun­den, sooo vie­le Mög­lich­kei­ten, zu die­sem Zeit­punkt g2 und f3 abzu­de­cken gabe es ja nicht.
    Ich per­sön­lich fand die Stel­lung jeden­falls recht span­nend – wer das nicht fand, muss­te ja nicht hin­schau­en bei der Vorführung.

    Für eine Nomi­nie­rung bei OMF wird’s wohl nicht rei­chen – dafür hät­te ich auch noch ganz ande­re Lei­chen im Keller. :-)

    Zum Vor­wort: Dan­ke für die Blu­men, aber es wäre mir lie­ber, wenn ich nicht „unersetzlich“ wäre.

  2. „Die­se Regel wäre mir aller­dings nicht nicht auch noch ein­ge­fal­len, glau­be ich.“ Also wäre sie dir ein­ge­fal­len, da eine dop­pel­te Ver­nei­nung eine Beja­hung ist? :-)

  3. Stefan

    3. September 2010 — 07:59

    Ein „nicht“ war zuviel, habe es getilgt. Ich kann mir gut vor­stel­len, dass ich die zwei­te Rekla­ma­ti­on in der Hit­ze des Gefechts ver­ges­sen hät­te (die ers­te aber nicht).

    @Ralf: Doch, ich fand die Par­tie wirk­lich span­nend, vor allem hoff­te ich, dass du die­se schö­ne Vari­an­te mit dem Damen­op­fer kom­men­tie­ren wür­dest – die ich inzwi­schen wie­der ver­ges­sen hatte.

    PS: Jetzt musst du nur noch Mar­kos Aggres­si­vi­tät in der Eröff­nung adaptieren ;-)

    PPS: Die Par­tie gegen Oleg ver­schwei­gen wir aber lie­ber, oder?!?

  4. @Nordlicht_70: „Hät­tet ihr das alles so mal eben so „en passant“ berech­net?“ Nein, hät­te ich sicher nicht. Auf die Gefahr hin als Ange­ber zu gel­ten; beim Blick aufs Dia­gramm habe ich nach 28.-Lxg4 29.fxg4 Dxg4 30.Txb7+ Sg7 (ohne Fritz und Co. zu kon­sul­tie­ren) nur 31.Se1 f3 32.Le3 betrach­tet und die Berech­nung mit „hoff­nungs­los gewon­nen für Weiß“ abge­bro­chen. Statt Se1 ist mit der etwas krum­me Zug Le1 gar nicht in den Sinn gekom­men, ich hielt das allen Erns­tes im ers­ten Moment für einen Schreib­feh­ler. Ãœber­haupt bin ich der Auf­fas­sung, dass der, nun ja, bes­se­re Spie­ler (wenn ich das unbe­schei­den mit fast 700 DWZ mehr sagen darf) gar nicht unbe­dingt schnel­ler oder wei­ter rech­net als der typi­sche Hart­platz­held, son­dern effi­zi­en­ter, weil eben die erwor­be­nen „geis­ti­gen Fil­ter“ vor allem sinn­vol­le Züge durch­las­sen und somit weni­ger unre­le­van­te Vari­an­ten berech­net werden.

  5. @MiBu …unbe­schei­den… *lach*
    Ich den­ke, wenn Spie­ler ihre DWZ nor­mal erspielt und nicht gezüch­tet haben, ist ein DWZ-Unter­schied von 200 Punk­ten schon ein sehr deut­li­cher Unter­schied der Spiel­stär­ke. 700 sind da schon ande­re Sphä­ren, das ist nicht unbe­schei­den son­dern Fakt. (Auch Ste­fan mit sei­nen ca 450 Punk­ten mehr ist für mich ein Schachgott.)
    Ja, die Qua­li­tät der Kan­di­da­ten­zü­ge sind schon ein Zei­chen der Spiel­stär­ke, man sehe den Unter­schied Le1 oder Se1. Es ist aber auch schlicht eine Fra­ge des Schach­ver­ständ­nis­ses – und da fehlt einem Spie­ler mei­ner Spiel­stär­ke doch eini­ges. Dafür ist das Spiel für mich eben noch mehr Spiel und weni­ger „Wis­sen­schaft“. ;-)

    @Stefan Ich hat­te ein Dame­op­fer gezeigt? Da kann ich mich nicht mehr drann erin­nern. In die­ser Par­tie ende­te die „Vari­an­te“ jeden­falls mit 30…Dd7 31.Txd7+.

    Ja, mit Mar­kos Aggres­si­vi­tät wäre ich in der BL bestimmt erfolg­reich. Ich traue mich aber immer nicht, weil ich trotz sol­cher Gedan­ken­lö­cher wie in der Par­tie gegen Oleg doch hin und wie­der mal ein End­spiel errei­che. Da feh­len mir die Agrar­öko­no­men. Mar­ko spielt wei­ter hin­ten, da wird im Zwei­fels­falls auch das End­spiel tak­tisch entschieden. :-)

    Jaaa, die Par­tie gegen Oleg, das ist (nur) eine der besag­ten Lei­chen. Dabei war die Par­tie für mei­nen Geschmack – trotz eines Feh­lers im 10. Zug – bis (fast) zum Schluss noch halb­wegs im Gleichgewicht.
    Das ein­zü­gi­ge Matt habe ich natür­lich gese­hen. Ich fand die­ses Ende aber wesent­lich ange­neh­mer, als mich (und Oleg) noch eine Stun­de mit zwei Bau­ern weni­ger und Kata­stro­phen­stel­lung sinn­los zu quä­len. Oleg hat mir in die­ser Zeit dann ein paar Vari­an­ten gezeigt.

  6. OMF ist spä­tes­tens seit 2008 nicht mehr kon­kur­renz­fä­hig – im Kern­ge­schäft frag­wür­di­ge Aktio­nen zur Zer­stö­rung der Schach­kul­tur im Nord­os­ten konn­te es ein­fach nicht mehr mit Prä­si­dent & Lan­des­ju­gend­vor­sit­zen­dem mithalten.

  7. Ach­tung, das Niveau sinkt wie­der und wir gehen über zu per­sön­li­chen Angrif­fen! Ein­fach unmög­lich! Kei­ne kon­struk­ti­ve Arbeit im Bereich Ehren­amt leis­ten, aber immer schön sinn­los drauf­hau­en. Dan­ke! Naja, war­um soll­te mich das auch wun­dern? Unse­re „Obe­ren“ sind ja durch die Basis nicht ansprech­bar, nie zu errei­chen und ver­mei­den jeg­li­che Art von Dis­kus­si­on und Mei­nungs­aus­tauch. Daher ist ein sinn­vol­les (viel­leicht auch mal per­sön­li­ches) Tref­fen völ­lig ausgeschlossen.

    Mit OMF wur­de (aus mei­ner Sicht) zurecht auf das zum Teil schwa­che Schach in MV hin­ge­wie­sen. Bei­spie­le gab und gibt es immer genug (mich kann man gern auch als Bei­spiel anfüh­ren ;) ). Da kann auch nicht viel unter­nom­men wer­den (zumin­dest ist mir da nichts bekannt, was uns mit den aktu­el­len Mit­teln auf schach­li­che Augen­hö­he mit ande­ren Ver­bän­den brin­gen könnte).

    Aber das Prä­si­di­um des Lan­des­schach­ver­ban­des öffent­lich anzu­grei­fen, fin­de ich von rank­ze­ro völ­lig dane­ben. Sie leis­ten best­mög­lichs­te Arbeit, auch wenn es sicher­lich hier und da weni­ger gut­ge­lun­ge­ne Sachen gibt. Eine sach­li­che und per­sön­li­che Kri­tik kann gern geäu­ßert wer­den, dann aber an die ent­spre­chen­den Per­so­nen mal direkt und nicht in den inof­fi­zi­el­len „Schach-in-MV“-Blogs. Mich wür­de es auf jeden Fall nicht wun­dern, wenn die Offi­zi­el­len sich hier und dort nicht mehr äußern würden.

    Um die Dis­kus­si­on an die­ser Stel­le abzu­wür­gen, wün­sche ich mir abschlie­ßend fol­gen­dens: Bit­te jeder für sich ein­mal sei­ne Kri­tik­punk­te sam­meln und dann dem Prä­si­di­um per E‑Mail oder Post mitteilen.

    Vor­schlä­ge zur Ver­bes­se­rung sind sicher­lich stets erwünscht. Die­se wür­de ich hier auch gern lesen und dis­ku­tie­ren (auch wenn mit ein Schach-Forum naür­lich lie­ber wäre) wollen.

  8. Wir haben einen wei­te­ren Hart­platz­hel­den: Mar­ko (wenn auch lei­der nur Remis, das End­spiel gucken wir uns mor­gen hof­fent­lich noch an). Auch Ralf soll nicht uner­wähnt blei­ben, zeig­te er doch sein tak­ti­schens Kön­nen gegen F. Kunow von NBG, nach­dem die­ser ein drei­zü­gi­ges Matt aus­ge­las­sen hatte.

  9. Stefan

    6. September 2010 — 15:30

    Ja, ich habe die Ergeb­nis­se und Schnapp­schüs­se vom Pokal­fight gegen den Ober­li­gis­ten schon stau­nend zur Kennt­nis genom­men und bin gespannt auf mor­gen. Im anschlie­ßen­den Bru­der­kampf konn­te die­se Form aller­dings wohl nicht gehal­ten werden?

  10. @Stefan Unser ein­zi­ge Stre­ben war doch, der Ers­ten den Weg frei­zu­räu­men. Gegen Neu­bran­den­burg haben sie oft nicht gut aus­ge­se­hen (Pokal ver­lo­ren etc.) ;-)
    @Hannes Ich habe noch ein­mal geschaut, es war kein Matt – ich hät­te noch den Turm opfern können. ;-)

  11. „Gegen Neu­bran­den­burg haben sie oft nicht gut ausgesehen
    (Pokal ver­lo­ren etc.) ;-)“ Oh ja, das waren Zeiten…:-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Copyright © 2021 Schachblätter

Theme von Anders Norén↑ ↑