Es ist absurd, wie oft Spieler mit niedriger Wertung Remis machen

Diesen interessanten Text habe ich bei Reddit gefunden. Für mich ist es natürlich längst zu spät, um mich zu ändern, aber trotzdem.

Ich bin bei einem Turnier und sah gerade ein unbegreifliches Remisgebot in einer Partie zwischen zwei 1600-ern. Es war ein klassisches Endspiel Guter Springer gegen schlechter Läufer, als der Spieler mit dem Springer Remis anbot. Er versuchte nicht, den Springer auf das gute Feld zu stellen, er versuchte nicht, mit dem König einzudringen (was gewonnen aussah), er versuchte noch nicht einmal, ein paar Bauern vorzustoßen. Er bot einfach Remis.

Gestern sah ich, wie ein junger, ambitionierter Schüler (1500) gegen einen alten Mann (1700) in einem Läuferendspiel Remis annahm, in dem der alte Mann praktisch in Zugzwang war. Sie analysierten hinterher die Partie und der alte Mann schlug ungefähr acht Züge vor, die auf der Stelle verloren.

Es gibt hier Schüler mit 1300, die eine Remisquote von mehr als 30 Prozent haben. Meine Remisquote ist 10 Prozent!

Wie wollen diese aufstrebenden Spieler besser werden und lernen, wie man ein Endspiel spielt, wenn sie nie eine lebendige und lehrreiche Stellung ausspielen? Daran ist nichts falsch, wenn man Endspiele hasst und nicht besser werden will, doch die Trainer scheinen große Fehler zu machen, wenn junge, ernsthafte Spieler sich so verhalten.

Ich biete nie Remis und nehme nie ein Remisgebot an, es sei denn, es ist 1) Turm gegen Turm oder ein ähnliches Endspiel oder 2) ich stehe klar schlechter. Turm und drei Bauern gegen Turm und drei Bauern? Spiel weiter. Tatsächlich die Philidor-Stellung? Guck nach, ob du dich noch dran erinnern kannst, wie das geht. Alles andere heißt für einen Spieler unter 2400, Punkte und Erfahrungen liegenzulassen.

Makkabi

Makkabi Berlin hatte nicht die Bestbesetzung für die Auswärtsfahrt nach Berlin zusammentrommeln können, so dass wir klarer Favorit waren. Das Ergebnis (6,5-1,5) sieht trotzdem deutlicher aus, als der Kampf verlief, vor allem im Unterhaus. Ich hatte hier gegen Jevgeni Schmidt ziemliche Probleme, ehe ich den ursprünglichen Gewinnplan verworfen und den richtigen Gewinnplan gefunden hatte. Weiß steht natürlich deutlich besser, aber der Springer ist in dieser Struktur sehr trickreich, seine Bauern stehen auf schwarz und der Läufer hat h8 nicht unter Kontrolle.

Out Of Chanty-Mansijsk

navara
8/1NN5/8/5k2/6n1/P6K/8/8 b – – 0 56

Nur ein Streiflicht vom diesjährigen Weltcup-Spektakel. David Navara war hier gegen Alexander Moiseenko kurz vor der Inkrement-Hölle, als die Partie in die Endspieldatenbank überging. K+S+S gegen K ist remis, aber Schwarz muss seinen Springer erstmal benutzen, um den a-Bauern aufhalten und dann seinen König annähern. Von vorn? Von hinten? Wer soll das wissen?

56…Se3 57.a4
57.Kg3 gewinnt auch.
57…Sc4 58.Kh4? Kf6!
(einziger Zug!) und es ist remis. 58.Kg3 ist Matt in 37 und 58.Kg2 Matt in 39. Datenbanken sind grausam.

Verpasste Gelegenheit (4)

Diese Saison verläuft einigermaßen katastrophal für mich und bietet wenig Vorzeigbares. Am Sonntag spielten wir gegen den geteilten Oberliga-Spitzenreiter aus Oberschöneweide und das 3-5 drückt nicht aus, wie nahe wir an einem Punktgewinn waren. Nachdem ich schon in der Runde zuvor meinen Beitrag dazu geleistet hatte, das Abstiegsgespenst zu füttern, gab es diesmal gegen Christian Syre wenigstens ein Unentschieden.

syre1
8/1p6/p3k1N1/3p3p/6bP/P3K3/1P6/8 b – – 0 44

Man sieht dem Diagramm nicht an, welcher Sturm gerade über der schwarzen Stellung getobt hatte. Wie durch ein Wunder hatte ich den weißen Angriff abgeschlagen und in Zeitnot in ein Leichtfigurenendspiel einlenken können. Beide rannten mit dem König ins Zentrum. Hier war die letzte Gelegenheit für mich, den einzigen Gewinnplan zu verfolgen — den d-Bauern aufgeben und den h-Bauern gewinnen. Etwa so:

44…Ld1! Um den Weg nach g4 wieder freizumachen. 45.Sf4+ (45.Kd2 Lf3 46.Ke3 Kf5!; 45.Kf4 d4! 46.Ke4? Lc2+) 45…Kf5 46.Sxd5 Kg4 47.Sc3 Lf3 48.b4 Lc6 49.Se2 Kxh4 50.Kf4

syre2
8/1p6/p1b5/7p/1P3K1k/P7/4N3/8 b – – 0 50

Und auch wenn diese Stellung noch immer nicht völlig klar ist, kann man das natürlich ohne Risiko weiterspielen.

50…Kh3 (50…Ld7 51.Sg3) 51.Kg5 Lf3! (51…h4 52.Sf4+ Kg3 53.Sh5+ Kf3 54.Kxh4) 52.Sf4+ Kg3 53.Sg6 (53.Sxh5+ Lxh5 54.Kxh5 Kf4) 53…Kf2 54.Sf4 Ke3 55.Se6 Kd2 56.Sd4 Le2 und Schwarz macht langsam Fortschritte.

Stattdessen machte ich noch einen normalen Zug, um dann mal zu gucken:

44…Kf5? 45.Se7+ Ke5 46.Sg6+ Kf5 ½–½

Jetzt ging nichts mehr. Das Opfer ist nun zu langsam: 46…Kf6 47.Sf4 Kf5 48.Sxd5 Ld1 49.Sc3! Lb3 Die Diagonale d1-h5 ist zu kurz. 50.Kf3

syre3
8/1p6/p7/5k1p/7P/PbN2K2/1P6/8 b – – 0 50

Hier geht es nicht weiter.

Der Abstieg entscheidet sich jetzt am letzten Spieltag. Die Tabelle sieht hinten so aus:

5. SK König Tegel II 8 Mannschaftspunkte 34 Brettpunkte
6. Greifswalder SV 8 34
7. SC Weiße Dame 7 31½
8. SC Rotation Pankow II 4 24½
9. SK Zehlendorf II 3 20½
10.SG Eintracht Neubrandenburg 1 18½

Bei wahrscheinlich vier Absteigern und den Paarungen Tegel II gegen Greifswald und Weiße Dame gegen Zehlendorf II kann man also auch mit 9:9 Punkten noch absteigen.